Kapitel achtzehn

Sie lag zwischen mir und Marcus und schlief tief und fest. Ihre schwarzen Haare umrandeten wild ihr Gesicht und ich sah erst jetzt, dass auf ihrer Nase kleine Sommersprossen waren. Sie war wirklich unglaublich schön. Eine mir unbekannte Wärme breitete sich in mir aus und ich verspürte den unheimlichen Drang sie zu küssen.
Ich zwang mich weg zu sehen und vergrub mich tiefer in der Decke, doch da stoß ich mit meinem Fuß gegen ihren warmen Unterschenkel und ein Kribbeln durchfuhr meinen Körper.
Panisch versuchte ich so viel Abstand wie möglich zwischen uns zu bringen, schob sogar mein Kissen zwischen uns und wickelte mich in eine Wolldecke. Ich wollte jetzt auf keinen Fall die Freundschaft zu meinen besten Freunden gefährden und noch schlimmer eine Verbindung eingehen!
Um das komische Verlangen zu unterdrücken biss ich mir feste in die Faust und kniff meine Augen zusammen.
Ich verharrte in einer Embryostellung und zwang mich zu einer einigermaßen gleichmäßigen Atmung.

Medina war höchstwahrscheinlich meine Auserwählte, also warum hatte ich davor nie so ein Gefühl gehabt? Ich biss mir auf die Unterlippe und der Schmerz half mir zum Glück etwas runter zu kommen. Vorsichtig drehte ich mein Gesicht in ihre Richtung und meine Atmung wurde abrupt wieder unregelmäßiger. Das durfte doch nicht wahr sein!
Mit einem entnervten Seufzer schälte ich mich aus meiner Decke und schlurfte zu meinem Smartphone, dass ich besoffen in die falsche Steckdose gesteckt hatte. Ich war schon stolz darauf überhaupt den Stecker gefunden zu haben!
Ich hatte riesen Hunger, weshalb ich erst einmal die Küche ansteuerte. Dort angekommen, es sah schrecklich aus nach der Party, kochte ich mir eine Tasse Kaffee und füllte Cornflakes in eine Schüssel. Währenddessen durchforstete ich die Dayawebsite nach Tipps um die Verbindung zu verhindern, fand aber gar nichts. Anscheinend hatten alle anderen Dayas immer das Problem eine Verbindung einzugehen und kamen gar nicht auf die Idee eine hinauszögern.
Mit brummenden Kopfschmerzen verbarg ich mein Gesicht in den Händen und war einfach nur froh wenigstens Abstand zwischen mich und Medina gebracht zu haben. Da klingelte das Handy und als hätte sie meine Gedanken gelesen rief meine Mutter an.

„Hallo mein Hübscher. Wie geht es dir?“, tönte ihre laute hohe Stimme durch den Hörer und ich musste mein i-Phone erst mal ein bisschen weiter weghalten.
„Ganz gut Mama. Haben gestern bisschen gefeiert“, antwortete ich mit kräftiger Stimme und schob mir einen Löffel Müsli in den Mund.
-„Das freut mich Lucas. Gibt es irgendwelche späten Veränderungen die wir noch nicht erfasst haben?“
Ich schluckte und in meinem Kopf ratterte es. Sollte ich sie gleich fragen? Vielleicht hatte sie ja Tipps? Eigentlich redete ich über alles mit meiner Mutter, schließlich lebten wir seit fast 500 Jahren mehr oder weniger zusammen.  Doch über die Anziehung zu einem Mädchen zu reden war sogar mir unangenehm.
„Naja ich hatte heute nach dem Aufwachen einen seltsamen Drang Medina zu küssen. Sie hat heute Nacht zwischen mir und Marcus im Bett geschlafen und ich hab sie dann in der Früh längere Zeit beobachtet und da kam dieses Gefühl“, seufzte ich und meine Hände zitterten vor Aufregung. Ich strich mir nervös einzelne Haarsträhnen aus dem dunklen Gesicht. So ein Stress, das konnte ja nicht für immer so zwischen uns Freunden sein bis ich die Verbindung eingehe.
„Oh schön. Das ist ein gutes Zeichen für eure Verbindung“,  kreischte meine Mutter. Hätte ich mir ja denken können.
Ich stand aufgeregt auf und lief hin und her.
„Ma du verstehst mich nicht! Ich will nicht, dass sie jetzt mit mir die Verbindung eingeht! Sie ist mit meinem besten Freund glücklich und ich bin alleine gerade sehr zufrieden!“, knurrte ich genervt.
„Aber das geht nicht! Dein Körper wehrt sich nicht dagegen! Er möchte das!“, redete meine Mutter dagegen und ich sah fast ihre eindringlichen dunklen Augen durch das Telefon.
„Gibt es keinen Weg ihn etwas zu beruhigen?“ Meine Verzweiflung konnte man hören. Sie lag wie eine dunkle Decke auf meiner Stimme, machte sie leise und matt.
Es blieb still am anderen Ende der Leitung.
„Mama?“, erkundigte ich mich und blieb im Türrahmen der Küche stehen.
Da kam endlich eine Antwort: „Ich hab gerade noch in einem Lexikon geschaut und eine Idee Lucas. Hast du Kamille Zuhause?“
Verwundert kramte ich in unserem Teeregal, das die Schule uns gefüllt zur Verfügung stellte.
-„Ja wir haben losen Tee. Warum?“
-„In dem Medizinlexikon von uns steht drin, dass Kamille mit Honig und etwas Zimt aufgegossen auf unseren Körper beruhigend wirkt. Eigentlich wird das gegen unsere Aggression eingesetzt aber ich hoffe es hilft auch bei deinem Problem.“
Sie klang nicht so, als wolle sie die Verbindung verhindern, sie wirkte enttäuscht.
„Danke Mama. Ich verspreche dir ich gehe in spätestens einem Jahr die Verbindung ein. Tschüss!“, verabschiedete ich mich und wir legten auf.
Schnell machte ich mich daran den Tee zubereiten. Etwas Zimt und etwas Honig auf die Kamille und dann das heiße Wasser darüber. Schnell trank ich die ganze Tasse leer und es schmeckte gar nicht so schlecht.

Nach etwa 30 Minuten kam Medina in die Küche und ich hatte nur ein komisches Gefühl im Bauch, als würde er sich extrem anspannen.
„Guten Morgen“, begrüßte ich sie fröhlich und begann Eier in die Pfanne zu schlagen.
„Wie kannst du nur so fröhlich sein“, maulte sie, „Du musst doch von gestern schreckliche Kopfschmerzen haben.“
-„Ist schon viel besser Prinzessin. Mein Kopf drückt nur ein bisschen und habe Magenschmerzen.“
Ich stellte den Teller mit dem fertigen Ei und einen Korb mit Semmeln auf den Tisch. Als ich ihr noch die Butter reichen wollte berührten sich unsere Hände und es war, als würde ein Stromschlag durch meinen ganzen Körper fahren.
Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, als ich gegenüber von ihr Platz nahm, doch mein Herz schlug 100 Mal schneller als normal. Ich goss mir noch etwas Kamillentee in die Tasse und reichte Medina ebenfalls die Kanne.
„Oh danke was ist das?“, fragte sie und machte ihre Tasse ganz voll.
„Kamillentee. Ist gut gehen den Kater“, antwortete ich nervös lächelnd und sie grinste breit.
Ich gewöhnte mir die kommenden Tage  an den Tee mit viel Pulver zuzubereiten und  als Tropfen in meine Wasserflasche zu geben. So hatte ich immer eine kleine Hilfe wenn ich Zeit mit meiner besten Freundin verbrachte.

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