Kapitel dreiundzwanzig
Seine Mutter half mir noch schnell beim Aufmachen vom Korsett und fieselte die Haare aus dem Diadem.
„Das hat dir Spaß gemacht, oder?“, erkundigte sie sich und ich nickte.
„Es war wie ein Traum.“
„Lucas und du passen wirklich super zusammen“.
„Ja, irgendwie schon…aber Marcus liebe ich und Lucas ist…naja Lucas, ihn kenne ich seit einer Ewigkeit. Irgendwie verwandelt sich das jetzt in eine Dreiecksbeziehung“, gab ich zu.
„Du wirst dich schon einmal richtig entscheiden“, gab mir Lucia neue Hoffnung und endlich war ich wieder in meiner Jogginghose und dem total verschmierten Pulli.
„Willst du dich vielleicht noch Baden? Da drüben ist ein Wirlpool. Du hast jetzt sicher geschwitzt und mein lieber Sohn hat sicher einen neuen Pulli für dich. Den wasche ich jetzt schnell und ich sage deinen Eltern Bescheid, dass du in einer Stunde daheim sein wirst.“
Ich nahm das Angebot liebend gern an, ich stank wirklich nach Schweiß und in einem Wirlpool war ich noch nie.
Ich ließ das heiße Wasser ein und schüttete einen Rosenbadezusatz dazu, bald bildeten sich duftende Blubberblasen und ich glitt in das angenehme Wasser. Ich spielte ein bisschen mit der Stärke der Düsen herum und hatte meinen Spaß.
Plötzlich riss jemand die Tür auf und ich tauchte bis auf dem Kopf unter Wasser. Es war…Lucas und er stand wie versteinert im Türrahmen.
„Was willst du?“, fragte ich so cool wie möglich und rutschte noch ein bisschen den Rand runter.
„Äh…Ähm…ja hier…der Pulli und…ähm…hier eine Jogginghose…hehe…sorry…“, stotterte er und bewegte sich immer noch nicht, sondern starrte mich weiter an.
„Ja leg es hier auf den Stuhl“. Um ihn zu ärgern planschte ich noch mit meinen Beinen im Wasser. Daraufhin wurden seine Augen noch größer.
-„Ich…ich…geh dann jetzt.“
„Ja wäre eine gute Idee “, kicherte ich und winkte mit meiner nassen Hand. Er drehte sich wie ein Roboter um, schaute noch einmal über seine Schulter und war verschwunden.
Das hatte mir jetzt Spaß gemacht ihm ein bisschen den Kopf zu verdrehen und gab mir mehr Selbstvertrauen. Langsam stieg ich aus der Wanne. Die Hose und der Pulli waren mir natürlich ein bisschen zu groß, aber es passte schon.
Als ich wieder hoch in Lucas Zimmer kam um meine Tasche zu holen, war er auch wieder ganz normal in Jeans und Hemd gekleidet. Er las gerade in einem alten Buch und im Hintergrund lief ein Teil aus Zauberflöte. Klassische Musik war auch eine Leidenschaft die uns Verband.
„Mein Pulli steht dir…ähm…“, stotterte er und hob meine Tasche auf.
„Du bist süß wenn du aufgeregt bist“, witzelte ich und folgte ihm Richtung Tür, „Begleitest du mich noch rüber?“
Er nickte zögernd. Moi hatte ich ihn im Bad so verschreckt?
Auf dem Kalender im Gang sah ich, dass jetzt der 23. war. Morgen war also Weihnachten.
Ich wohnte nur zwei Straßen weiter und die Wanderung durch den Schnee machte Spaß.
Vorsichtig griff Lucas nach meiner Hand und ich verschränkte seine Finger mit meinen. Als ich zu ihm aufsah, grinste er zögernd und ich lächelte zurück.
Die Schneeflocken tanzten um uns herum und als wir vor meiner Haustür ankamen hörte der Schnee wie von Zauberhand wieder auf, als hätte jemand auf einen Knopf gedrückt.
„Also…ähm…tschüss und danke für den lustigen Tag. Du hast mir echt super wegen Marcus geholfen“, verabschiedete ich mich von Lucas, der schon geklingelt hatte.
„Mache ich doch gerne und ich besuche dich sicher Morgen, hab noch ein Geschenk für dich.“
„Ich hab auch eines, dann bis Morgen.“ Ich umarmte ihn gerade als meine Mutter die Tür aufschloss.
„Hallo Schatz…ah Lucas. Schön, dass du sie nach Hause begleitet hast.“
„Immer doch. Bye Medina, bis Morgen.“
„Bis Morgen.“
Meine Mutter schob mich aber schon ins Haus.
Ich hasste mein Zuhause. Wir wohnten in einen stink langweiligen Bungalow. Im Eingangsbereich stand nur eine kümmerliche Palme und als ich ins Wohnzimmer trat und den Christbaum suchte fand ich nur ein grünes Plastikbäumchen das mit einer Lichterkette umwickelt war.
Ich hasste es, viel lieber würde ich den Heiligabend drüben verbringen.
„Hallo mein Kleines“, begrüßte mich mein Vater, aber nahm sein Telefon nicht vom Ohr weg, wahrscheinlich wieder ein total wichtiges Bankgespräch.
„Hallo Dad. Ich bin dann mal oben.“
Schlecht gelaunt stapfte ich die Treppe in mein Zimmer hoch, wo alles natürlich perfekt aufgeräumt war und wie desinfiziert roch. Total heimlich wirklich. Langsam begann ich meine Tasche auszuräumen und in meinen Kleiderschrank zu packen.
„Medina kommst du zum Abendessen?“ Mutter stand in der Tür und lächelte mich an.
„Ja ich komme.“ Schnell stellte ich noch ein Bild von mir und meinen Freunden auf den Nachttisch und folgte ihr.
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