Kapitel einundzwanzig

Lucas Ferienhaus war riesig, ich konnte mir gar nicht vorstellen wie erst das normale Haus aussah. Seine Mutter hatte mal etwas von einem Märchenschloss erzählt, aber das konnte ich mir nicht vorstellen. Es war sicher nur ein Scherz gewesen.
Von den Leuten, die auf das Haus aufpassten wurde sogar schon einen Christbaum aufgestellt. Mein Aupair hatte früher auch immer einen mit mir geschmückt, es war eine der schönsten Kindheitserinnerungen.
Wir stellten meine Tasche oben in Lucas Zimmer ab und machten uns erst einmal daran den Kühlschrank zu plündern.
Die Uhr zeigte 2 Uhr Nachts.
„Das ist kein Mitternachtsessen, sondern ein 2 Uhr essen“, kicherte ich und biss in ein Sandwich, das aus Chips, Ketchup, Salat, Käse und Gurkenscheiben bestand.
„Stimmt, das müssen wir öfter machen.“  Lucas hatte seinen Hot-Dog mit Keksen, Salami und Majo verziert.
Als wir aufgegessen hatten, gingen wir zurück ins Zimmer und ich legte mich rücklings auf sein großes, weiches Himmelbett.
„Willst du hier schlafen? Dann geh ich ins Wohnzimmer“, bot Lucas an und ließ sich neben mir nieder.
Die Decke war mit Leuchtsternen verziert. Wie in meinem alten Kinderzimmer bevor meine Mutter sie alle runter gerissen hatte. Sie sagte, sie wären zu kindisch.
„Kannst du nicht da bleiben?“, gab ich zurück. Er seufzte und spielte mit einer meiner Haarsträhnen. „Du hast doch einen Freund. Wenn das rauskommt, dass ich mit dir in einem Bett geschlafen habe, dann aber Hallo!"
Immer dieser dumme Blog.
-„Die erfahren das schon nicht, außerdem schläfst du nur neben mir.“
„Du bist ein böses Mädchen“, lachte er, „Naja, dann. Was soll ich dagegen machen, du zwingst mich ja.“
Ich lachte und legte meinen Kopf auf seine Brust.
Plötzlich vibrierte mein Handy. Eine SMS von Eva.
Wie geht’s dir? Bist du daheim?
Ne, bei Lucas. Meine Eltern sind nicht da.
Aha, ok. Rächst du dich jetzt etwa an Marcus. Gleiches mit Gleichem und so?
Ne, was denkst du von mir. Lucas ist mein bester Freund, das will ich nicht kaputt machen. Ich knutsch doch nicht mit dem.
Ich mache mir echt Sorgen um dich, du hast heute viel erlebt und Marcus hat richtig große Scheiße gebaut. Tue jetzt nichts unüberlegtes, bevor du mit Marcus geredet hast.
Lucas sah mich fragend an.
-„Ich will ja nicht neugierig sein, aber was willst du nicht kaputt machen?“
-„Ach Mist, hab ich wieder geredet. Man ich kann einfach nicht leise schreiben. Ich posaune immer alles in die Welt“.
-„Nein nein. Du hast dein Handy nur kurz gedreht und da hab ichs gelesen.“
Das Haarspielchen begann von vorne.
„Unsere Freundschaft will ich nicht kaputt machen“, gab ich die ehrliche Antwort und Lucas hielt inne.
-„Wie könntest du die denn kaputt machen?“
-„Naja, wenn ich dich küssen würde zum Beispiel. Wenn wir uns Streiten würden, oder wenn ich wieder umziehen würde.“
Er nickte langsam und nachdenklich.
„Du bist echt ehrlich. Aber ich denke, dass du umziehen würdest würde nichts kaputt machen und ein Streit auch nicht.“
„Ein Kuss schon oder was?“ Ich setzte mich auf.
-„Naja, es würde sie vielleicht nicht wirklich zerstören, sondern eher verändern.“
„Ja wahrscheinlich.“  Ich legte mich wieder hin und er strich durch mein Haar.
Seine Arme waren muskulös, aber auch weich, genau die richtige Mischung, bei der ich mich wohlfühlte.
Ich betrachtete den Sternenhimmel.
„Süß bist du trotzdem“, flüsterte er da plötzlich. Ich wandte mich um. Seine Lippen umspielte ein kleines Lächeln.
Mein Herz klopfte schneller und ein Kribbeln lief über meinen Körper, wie 1.000.000 Ameisen.
„Wie eine kleine Schwester. Oder wie ein normales Mädchen?“, fragte ich und musste mich räuspern, plötzlich war mein Hals total trocken.
„Eher wie eine lange Freundin. Ich such mir keine Freunde die nicht etwas Besonderes an sich haben“, gab er zurück und Enttäuschung machte sich in mir breit. Hallo Körper was hast du erwartet? Eine Liebeserklärung von Lucas?
Ich legte mich wieder in seine Arme und bald darauf war ich eingeschlafen.

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