Kapitel vierzehn
Plötzlich spürte ich gar nichts mehr. War ich Tod? Nein das konnte nicht sein. Vorsichtig öffnete ich meine Augen. Ich lag immer noch auf dem gleichen Bett in dem gleichen Saal und mein Körper war immer noch voller Blut und Erbrochenem. Aber es kam kein Blut mehr, das alte hatte sich verkrustet und ich sah aus wie ein Marmorkuchen nur statt weißen Flecken waren es rote.
Ich versuchte mich aufzurichten und ein stechender Schmerz durchfuhr mich, also blieb ich weiterhin still liegen, denn sogar die Arme zu bewegen tat weh.
Als ich nach meiner Tante rief klang meine Stimme irgendwie anders…tiefer.
Sie kam sofort und starrte mich mit großen Augen an.
„Ich muss sofort Kamit anrufen. Wir müssen die Veränderungen überprüfen“, waren ihre einzigen Worte bevor sie wieder ging. Seltsam.
Ich sah an mir herunter und versuchte etwas zu suchen an dem sie erkannt hatte, weshalb etwas anders war und ich fand es sofort: An meinem rechten Unterarm rankte sich jetzt ein aus geschwungenen Gräsern geformtes Tatoo hoch und natürlich an meiner jetzt noch männlicher klingenden Stimme. Außerdem fühlte sich mein Körper anders an, kräftiger.
Plötzlich hörte ich ein Klopfen an der Tür und als ich herein rief, betrat Medina den Raum und ich zog meine Decke höher. Ich wollte nicht unbedingt, dass sie mich nackt sah und bei den Narben würde sie sich nur höllische Sorgen machen.
„Hi geht’s dir schon besser?“, fragte sie und setzte sich auf den Stuhl neben meinem Bett.
„Klar mir geht’s blendend. Nur noch Gliederschmerzen und kotzen musste ich auch nicht mehr“, antwortete ich mit meiner neuen Stimme und grinste.
Sie starrte mich an und ich wusste, das ich lieber nichts gesagt hätte.
-„Was ist mit deiner Stimme?“
„Ich weiß nicht. Mary sagt es ist vielleicht ein verzögerter Teil vom Stimmbruch“, gab ich gleichgültig zurück und grinste.
„Sexy, sexy“, witzelte sie, „So eine rauchige Stimme hat Marcus nicht."
„Sollte das ein Kompliment sein“, lachte ich und grinste noch breiter.
-„Natürlich. Hört sich dann sicher auch bei der Schulband toll an.“
-„Ich fühle mich geehrt. Hast du was zum Lesen dabei?“
„Klar hier einer deiner so heiß geliebten Psycho Thriller und hier ein Geschenk von Antonella." Sie reichte mir eine Tüte und ein in blaues Papier gewickelte Päckchen.
Neugierig riss ich das Papier ab und was fand ich darin: Eine total teure Armbanduhr mit den Initialen L und A.
„Oh wie romantisch“, flüsterte Medina und sah über meine Schulter in das Schächtelchen.
„Ja wirklich klasse. Uhren hab ich genug. Die zieh ich eh nicht an, viel zu teuer“, meinte ich trocken und legte sie auf den Nachttisch.
-„Du liebst sie nicht oder und gibst ihr auch gar keine Chance mehr?"
„Nein. Das ist vorbei“, meinte ich bestimmt. Medina lächelte: „Dann ist Antonella das einzige Mädchen, dem du jemals das Herz gebrochen hast."
„Ja ist wohl so. Ich kann übrigens mit dem normalen Bus in die Weihnachtsferien fahren,“ wechselte ich das Thema und lehnte mich wieder in die Kissen zurück.
„Gut, dann…ich muss wieder los. Gute Besserung“, verabschiedete sie sich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
-„Tschüss.“
Doch bevor ich dachte ich hätte endlich meine Ruhe und könnte mich in meinem Unglück suhlen, betrat meine Mama wieder das Zimmer und lächelte traurig.
„Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht“, schluchzte sie und drückte mich ganz fest an sich.
„Mutter, erwürg mich nicht, dann müsstest du dir erst recht Sorgen machen“.
-„Jaja ich weiß. War das gerade Medina? Oh ist sie schön geworden, eine richtige Frau", schwärmte meine Mutter als die Türe hinter meiner besten Freundin zu fiel,
„Vielleicht möchte sie ja Weihnachten zu uns! Dann tanzt ihr, kommt euch näher."
-„Mutter lass das! Sie ist mit meinem besten Freund zusammen. Vergiss das nicht!“
„Ach komm das ist doch bei uns Dayas Nebensache," winkte sie gerade rechtzeitig ab, denn Kamit hatte den Raum betreten und kam an mein Bett herüber. Wenn die Präsidentin, oder besser gesagt Vorsitzende kam, musste man immer komplett ruhig sein. Sie musste das erste Wort ergreifen.
„Hallo Lucas und wie geht es dir?“ Sie hatte eine beruhigende Stimme.
Ich antwortete etwas nervös, denn es war eine ehrenvolle Situation: „Passt schon. Was wollt ihr denn für Tests machen? Muss ich in ein Röhrchen blasen, in eine Tasse pinkeln oder auf einer Linie laufen?“
„Nein, erst untersucht deine Tante dich auf Veränderungen, plus die Blutabnahme. Als nächstes schauen wir ob deine Kräfte vollkommen da sind, dazu machen wir Krafttests, wie schnell du laufen kannst und so weiter. Keine Sorge Junge", beruhigte sie mich.
Ich nickte.
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