Kapitel vierundzwanzig

„Medina wir haben eine Nachricht für dich, die uns selber sehr leid tut. Dein Vater und ich müssen morgen auf eine wichtige Gala, die von sehr großer Bedeutung für die Firma deines Vaters und dessen Zukunft ist.“
Mama sah gar nicht so aus, als würde es ihr leidtun, sondern eher froh, dass sie mich an Weihnachten nicht ertragen musste und stattdessen mit ihrem Mann in den Glamour eintauchen konnte.
„Ihr wollt mich nicht wirklich an Weihnachten allein lassen!“, motzte ich und donnerte mein Besteck auf den Tisch. Ich konnte es nicht fassen, das war mal wieder typisch meine Eltern! Geld ging bei ihnen immer vor.
„Es tut mir Leid mein Kind. Ich frage drüben bei den Kirschbaums nach, Lucas Mutter freut sich bestimmt dich zu sehen.“

„Ihr seid nicht meine Eltern, das geht doch nicht!“, schrie ich, dann rannte ich nach oben, schnappte mein Handy und tippte unter Tränen eine SMS an Lucas:
Meine Eltern gehen Morgen auf eine Gala, kann ich zu dir kommen? Will hier nicht bleiben! BITTE 
Bald kam die Antwort die ich erwartet hatte.
Klar Prinzessin komm vorbei. Mama macht heute mein Lieblingsessen, Pfannkuchen. Versteh nicht warum sie sich so komisch dir gegenüber verhalten.
Schnell schmiss ich ein paar Klamotten zurück in meine Reisetasche und ging die zwei Straßen wieder zurück. Meinen Eltern hatte ich einen Zettel dagelassen:
Bin da wo ihr mich haben wolltet. Bei meiner wahren Familie.

Frau Kirschbaum öffnete auf mein Klingeln sofort und nahm mir sogar die Tasche ab. „Lucas hat mir erzählt was passiert ist. Tut mir Leid, deine Eltern wissen nicht was sie an dir haben.“
Jetzt kamen mir doch die Tränen, ich wurde nie von meinen Eltern geliebt. Ich habe immer Geld bekommen, aber um mich gekümmert haben sich die anderen. Liebevoll nahm mich Lucia in den Arm und ich fühlte mich endlich einmal daheim.

Mein Gästezimmer war ein heller kleiner Raum mit einem Dachfenster. In der Ecke standen neben dem Bett sogar noch ein gemütlicher Lesesessel und ein Bücherregal.
„Gefällt es dir?“, fragte Lucas und lächelte breit.
-„Ja klar. Super schön.“
„Was hältst du davon, wenn wir ein bisschen in den Park gehen, ich habe da eine Überraschung für dich. Deine Sachen kannst du ja später auspacken.“ Er umschloss meine Hand und ich folgte ihm hinaus in den riesigen Garten, der eher ein Park war und vor mir auf der Terrasse standen zwei kleine Schlitten. Ich freute mich riesig und schnappte mir sofort den größeren. Wir rannten zu einem kleinen Hügel, rutschten den Hang hinunter und juchzten, dass es nur so eine Freude war. Ich vergaß alles was mich bedrückte. Meine Eltern die mich im Stich ließen, die schlechten Noten die ich zurzeit schrieb und meinen Freund der mich besoffen angebrüllt hatte.

Der Schnee hatte alle Bäume in glitzernde Türme verwandelt und der See war ein schimmernder Spiegel. Wie ein Paradies!
Eines von vielen Malen als wir zusammen runterrutschten lenkte Lucas und natürlich übersahen wir einen Baumstumpf und fielen beide kopfüber vom Schlitten.
„Typisch Männer und fahren“, giggelte ich und bewarf ihn mit einem Schneeball.
-„Pah, ich bin ein Naturtalent!“
-„Klar sieht man!“
Ich musste lachen, sein Gesicht nahm den süßen beleidigten Hundeblick an, den ich so sehr an ihn mochte.
„Du bist so gemein“, maulte er und setzte sich neben mich in den Schnee, unsere Jeanshosen waren eh schon total durchweicht.
Irgendwie auch seltsam, wenn man es von oben betrachten würde. Zwei Jugendliche die mitten im Schnee lagen und zusahen wie die Flocken auf sie zuflogen.

Da trat Lucia aus der Terassentür und bat uns dringend reinzukommen: „Kinder geht aus dem Schnee raus! Ihr werdet noch krank!!! Ich habe Kakao und Kekse.“
Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und gingen zurück ins Haus.
Dort gemütlich bei Kakao und Keksen eröffnete sie uns die Planung von morgen Vormittag: „Also Medina, du backst morgen mit mir Plätzchen, Lucas hat alle schon aufgegessen. Du mein Sohn räumst die Auffahrt, verpackst die Geschenke für deine lieben Tanten und Cousinen und bitte suche die Musik raus. Außerdem musst du dein Geigenstück noch einmal mit Nele üben."
„Klar“, willigten wir ein und räumten den Tisch ab.

Am Abend kuschelten wir uns auf die Couch in seinem Zimmer und schauten „Findet Nemo“, den er mir ja schon lang versprochen hatte.
In meinem Zimmer war ich so müde, dass ich sofort in einen tiefen Schlaf fiel.

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