Kapitel neunzehn

Endlich war es soweit, die Reise in unser Ferienhaus konnte losgehen. Es war zwar nicht so ein Gedränge im Bus wie bei der Fahrt nach den Sommerferien aber zu ging es trotzdem. Diesmal setzten wir uns nicht in eine 4er Gruppe, denn Marcus wollte jetzt natürlich neben Medina sitzen, deshalb ergatterten wir die allerletzte Bank.

Medina setzte sich zwischen mich und Marcus. Ich wollte gerade etwas zu ihr sagen, da zog Marcus sie zu sich auf den Schoß und begann wie ein irrer ihr die Zunge in den Hals zu stecken.
War das widerlich, ich drehte mich weg und sah aus dem Fenster in den regenverhangenen Himmel, typische Weihnachten in Deutschland: Regen und nochmals Regen, Schnee gab es hier eigentlich nie. Da ich mit Eva und Nick auch nicht wirklich reden konnte, kramte ich meinen Nintendo aus der Tasche und ließ meinen Mario von einem Level ins nächste hüpfen, ich hatte das Spiel schon auf allen Konsolen die je rausgekommen waren gespielt und mit dieser neumodischen Babyversion auch kein Problem. Eine Stunde später hatte ich das Spiel durch. Marcus fütterte gerade Medina mit Tomaten.
„Bist du süß wenn du gähnst“, säuselte Marcus. Es war ja schon 10 Uhr Nachts, da wurde Medina immer müde, um die Sekunde genau.
„Danke Schatz“, gähnte sie noch einmal. Jetzt war meine Chance, ihr ein besserer Freund zu sein als Marcus. Keine Ahnung woher der Drang kam, aber ich musste sie jetzt beeindrucken, besser sein als Marcus.
„Willst du eine Decke haben.“ Ich zog sie aus meiner Reisetasche.
Natürlich freute sie sich darüber und lächelte breit.

Aber es war hart für mich zu sehen wie Medina in Marcus Armen sanft ins Land der Träume glitt und auch Nick Eva glücklich auf seinem Schoß hatte. Ich hatte niemanden, war wahrscheinlich auch besser so. Ich wollte es ja auch nicht anders. Es war trotzdem ein überwältigendes Machtgefühl Medina jeden Moment, den ich wollte, von Marcus trennen zu können.
Medina hatte gerade vielleicht 5 Minuten geschlafen, da stand Marcus plötzlich auf.
„Ich geh schnell rüber zu meinen Bros Lucas OK? Die haben Bier mit geschmuggelt.“
„Und was ist mit Medina?“ Das überraschte mich, man lässt doch seine Freundin nicht einfach auf ihrem Sitz liegen um einen Kasten Bier leerzumachen? Jeder Volldepp konnte ihr jetzt etwas antun. Sie schlief sehr fest, da konnte eine Bombe explodieren und sie merkte es nicht.
„Die pennt eh! Willste mit? Wird sicher super. Die Lehrer schlafen jetzt ja auch“, bot er an als wäre es das normalste der Welt.
-„Nein danke. Ich zock noch ein bisschen.“
„Ok Alter, beschwer dich dann aber nicht, dass du was verpasst hast. Majas Freundinnen sind voll scharf wenn sie voll sind“, grinste er und haute ab.
Ich zog Medina auf meine Seite rüber, sodass ihr Kopf auf meiner Schulter lag und steckte Zelda in den Nintendo. In diesem Moment seufzte sie zufrieden und lächelte im Schlaf. Sie war so lieb.
Ich konnte ihr die ganze Zeit beim Schlafen zusehen, ich entdeckte immer etwas Neues. Ihre blauen Augen, ihre langen Wimpern. Alles passte zusammen wie ein perfektes Kunstwerk. Plötzlich öffnete sie ihre Augen und schreckte zusammen.
„Sorry Lucas“, schnell rutschte sie in ihre normale Sitzposition zurück, „Wo ist denn Marcus hin?“
„Ähm…der ist zu seinen Freunden nach vorne gegangen, die haben Bier dabei“, gab ich die ehrliche Antwort.
„Typisch Marcus“, seufzte sie und streckte sich, „Bist du jetzt eigentlich wieder total gesund?“
Ich lächelte: „Ja passt alles, bin nur noch a bisserl fertig“.
„Versteh ich, du warst ja wirklich komplett weg.“
Ich lachte und rutschte noch ein bisschen weiter von Medina weg. Die sich wieder in ihre Decke kuschelte und ihren Kopf dann überraschenderweise auf meinen Schoß legte. Ich musste grinsen.
Plötzlich schallte lallender Gesang durch den Bus, anscheinend hatten die Kumpel von Marcus, noch was anderes mitgebracht als Bier, von dem wird man doch nicht so schnell dicht.
Medina seufzte: „Hoffentlich kommt er nicht so schnell zurück, ich will ihn nicht betrunken sehen.“
-„Will ich auch nicht noch einmal erleben. Der ist dann unberechenbar, sonst hätte er niemals mit Maja geschlafen.“
„Sind da noch andere Mädchen vorne? Ich bin jetzt zwar keine stalker Freundin aber ich hab Angst, dass er in diesem Zustand wieder …naja… sehr liebesfreudig wird.“
„Ja glaub schon, Maja und Lulu zum Beispiel. Die lassen sich immer total zulaufen.“ Ich erinnerte mich wieder an ein paar Augenblicke vom Abschlussball. Als ich gesehen hatte, zu was Maja Marcus in diesem Zustand bringen konnte war mir der Appetit ein paar Monate gründlich vergangen.
Ich war sehr betrunken gewesen und hatte ihn auch nicht davon abgehalten mit Maja zu schlafen. Ich fand es normal und hatte auch mit Lulu rumgemacht, keine Ahnung was wir alles angestellt hatten. Ich hatte überhaupt keine Erinnerung mehr, ich war am nächsten Tag nur in meinem Bett aufgewacht, mit einen drum Schädel und Lulu nackt neben mir.
Eva war mit Nick jetzt auch aufgebrochen um nach vorne zu gehen.
Vorher warf sie mir und Medina einen besorgten Blick zu.

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