Kapitel fünf

Mittags lief ich so schnell ich konnte in unsere Wohnung, machte mein Bett und räumte das Badezimmer auf.
Dann musste ich in die Küche, ich hatte leider Kochdienst.
„Super Medina“, schmatzte Eva, dann schob sie sich noch eine Gabel Salat in den Mund.
„Find ich nicht! Das sind viel zu viele Kalorien!“, schimpften Lulu und Maja. Beleidigt standen sie auf.
„Wir gehen jetzt Shoppen“, keifte Maja, nahm ihre Handtasche und schon waren die beiden Zicken verschwunden. Wenig später stand Lucas in der Tür.
„Hi“, begrüßte er Eva und mich.
„Ich muss jetzt auch los. Nick braucht Mathenachhilfe“, stotterte Eva und dann war auch sie weg. Doch bevor sie ging warf sie mir noch ihren „Wenn was passiert war es nicht meine Schuld“-Blick zu.
„Komm wir gehen in mein Zimmer“. Lucas nickte. Bald darauf saßen wir zusammen auf meinem Bett und sahen zu wie Kapitän Kirk gegen die Aliens gewann. Ich langweilte mich schrecklich und spielte heimlich mit meinem Handy rum.
„Geht es deinem Pou gut?“, fragte mich da plötzlich Lucas, ich hatte gar nicht bemerkt, dass er auch nicht mehr auf den Film geachtet hatte.
„Klar, ihm geht es super und deinem“, gab ich locker zurück und lehnte mich zurück.
-„Auch toll. Du hattest in Amerika wirklich keinen Freund?“
„Ja, warum fragst du? Das passt weder zum Film noch zu meinem Pou“. Ich hatte keine Lust darüber zu reden, erst recht nicht mit einem Jungen den ich gestern erst wieder getroffen hatte.
-„Nur so, ich kann mir das einfach nicht vorstellen, du warst hier doch sehr an Jungs, Partys und so interessiert. Du hast mit Marcus nichts ausgelassen und warst auch sonst eher ungezwungen.“
Er drehte sich wieder Richtung Bildschirm und ich dachte an die Partys die ich mit 16 durchlebt hatte, bevor ich nach Amerika ging. Sie waren vor allem der Grund gewesen, warum ich gehen musste.
„Ich wollte damit vor allem meine Eltern provozieren“, seufzte ich, „Das Rauchen, der Alkohol und die Art wie ich meine Beziehung führte taten mir nicht gut. Ich weiß, das ich euch da auch mit reingezogen habe und dafür habe ich mich geschämt Lucas. Marcus wollte mich so oft da raus holen und ich habe ihn am Schluss nur benutzt, damit es mir besser ging. Ich hab zu viel getrunken, scheiße gebaut, mit dir im Zimmer gekifft und Marcus ausgenutzt wenn ich Lust hatte. So ein Leben wollte ich in den USA nicht.“
Mein bester Freund runzelte die Stirn und rutscht ein Stück näher zu mir hin.
„Du hättest dich nicht schämen müssen. Wir haben schließlich freiwillig mitgemacht und du wolltest die Aufmerksamkeit von deinen Eltern, die dich einfach auf ein Internat im Ausland abgeschoben haben. Das ist verständlich. Nachdem du weg warst haben wir uns ja anscheinend super entwickelt“, beruhigte er mich und grinste breit, „Marcus wird außerdem nie seine Zeit mit dir vergessen. Er redet, wenn wir von Sex reden, meistens nur von euren Erlebnissen. Ohaaa was ich da für Dinge höre.“ Wir fingen beide an zu lachen.
„Auch das…du weißt schon wo“, kicherte ich und er nickte mit breitem Grinsen.
„Jedenfalls sind wir jetzt alle reifer und ordentlicher“, fasste es Lucas gut zusammen.
Ich stimmte ihm zu: "Auf jeden Fall und das war ich in den USA auch, ich wurde sogar Jahrgangsbeste und war in richtig vielen AGs um mich abzulenken.“
„Das freut mich Prinzessin. Ich habe dich am Anfang nicht wieder erkannt. Du siehst jetzt viel gesünder aus und wirkst glücklicher. Ich nehme mir jetzt auch vor treuer zu sein und trinke weniger Alkohol. Rauchen kann ich mir aber leider nicht abgewöhnen.“
Ich dachte an die Zeit vor zwei Jahren zurück, als ich kichernd mit Lucas im Abstellraum auf Turnmatten lag um einen Joint zu rauchen. Selbst Marcus wusste davon nichts, ich wollte ihn damit nicht belasten. Die Folgen bekam er aber natürlich schon mit: Die Stimmungsschwankungen, die Angstzustände, die ich mit Alkohol betäuben wollte.
„Ich war so eine scheiß Freundin“, dachte ich laut, doch Lucas ging darauf gar nicht mehr ein, sondern zog meinen Kopf an seine Brust. Traurig schlang ich meine Arme um ihn.
-„Du bist eine tolle Freundin Prinzessin.“
Er schaltete die DVD wieder auf Play und wir schauten den Film weiter.
Irgendwann wurden meine Lider schwer und ich schlief ein.
„WIE KANNST DU MIR DAS NUR ANTUN! ICH WAR IMMER EINE TREUE FREUNDIN UND HAB DICH NIE BETROGEN!!!“, wurde ich von zornigen Gebrüll aufgeweckt und schlug die Augen auf. Lucas hatte mich in die Kissen gebettet und zugedeckt. Jetzt stand er bebend vor Lulu die ihn mit hochrotem Kopf und Tränen in den Augen anschrie und versperrte mir die Sicht: „UND AUSSERDEM! WARUM AUSGERECHNET MIT
DER!?“
„Wie oft soll ich es dir noch sagen. Wir haben nur einen Film angeschaut und Medina ist eingeschlafen! Außerdem was meinst du mit „ausgerechnet mit der““, brüllte Lucas zurück und ballte die Fäuste.
Ich drehte mich zur Seite und tat so als würde ich weiterhin schlafen.
„Alle sagen ihr liebt euch immer noch aber ich habe dir vertraut. Das war der größte Fehler meines Lebens!“, schluchzte sie jetzt zornig. Da hörte ich ein klatschen und einen Schmerzensschrei.
„Was sollte das denn!“, zischte Lucas und ich sah kurz besorgt auf, die Wange die er sich rieb lief langsam rot an.
„Diese Watschen hast du verdient und jetzt verlass die Wohnung!“, schluchzte Lulu. Lucas machte kurz Anstalten ihr den Arm um die Schulter zu legen, doch sie schubste ihn weg.
Er drehte sich kurz nochmal zu mir um und bald darauf hörte ich wie die Wohnungstür ins Schloss viel. Lulu verließ bitterlich weinend mein Zimmer, sie tat mir Leid, das war schließlich alles meine Schuld.
Mit wackeligen Beinen erhob ich mich und klopfte an ihre Tür.
„HAU AB!“, brüllte sie mich an.
Ich gab nach, ging zurück in mein Zimmer und kuschelte mich in meine Decke die angenehm nach Lucas roch.

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