Kapitel eins
Ich klickte die Nachricht weg und schloss die App des Blogs, dann sah ich mich an der Bushaltestelle um, an der in wenigen Minuten der Bus zu dem Internat kommen würde, dass ich vor zwei Jahren verlassen hatte. Nervös wechselte ich immer mein Standbein und sah die Straße auf und ab, auf und ab. Wann kam der Bus endlich? Plötzlich hörte ich Schritte näher kommen, ruckartig drehte ich meinen Kopf nach hinten, so schnell das ich mir den Hals verdrehte.
„AU Scheiße!“, zischte ich und rieb mir mit schmerzverzehrten Gesicht den Hals.
„Alles in Ordnung?“, erkundigte sich eine angenehm tiefe Jungenstimme.
„Passt scho, hab mir nur den Hals verdreht“, murmelte ich und sah auf, vor mir stand ein großer und hübscher dunkelhäutiger Junge. Er war zwischen 18 und 19 Jahre alt, also in meinem Alter und trug eine Reisetasche in einer Hand. Irgendwoher kannte ich ihn…
„Fährst du auch nach Hohenfels? Dich kenn ich noch gar nicht“, fragte er und stellte seine Tasche ab.
-„Ja ich war zwei Jahre nicht da“.
„Achso“, freundlich grinste er mich an, dann kam der Bus und wir stiegen ein. Sofort, als sie mich entdeckte, stürmte Eva auf mich zu und drückte mich ganz fest. Ihre blonden Locken hüpften um ihr rundliches Gesicht und ihre grünen Augen funkelten vor Freude.
„Medina, du hast mir echt gefehlt. Hier ist so viel passiert“, kreischte sie, anscheinend hatte sie übersehen, dass ein Junge neben mir stand, dem sie gerade fast ein blaues Auge geschlagen hätte.
„Medina…du…warum hast du mir nicht geschrieben?“, fragte er verwirrt.
„Kenn ich dich?“, gab ich ebenso verwirrt zurück.
-„Ja ich bins Lucas. Hast du mich nicht erkannt?“
„Nein irgendwie nicht. Der Bart macht dich irgendwie alt“. Das war jetzt wohl die blödeste Antwort die mir hätte einfallen können!
„Ach ne. Sind ja auch schon zwei Jahre her, seit wir uns richtig gesehen haben!“, gab er eine grimmige Antwort.
„Tut mir leid. Ich habs echt vergessen“, gab ich zurück und versuchte nett zu lächeln.
„Komm Lucas sei nicht beleidigt, das wichtigste ist doch, dass wir sie wieder haben“, witzelte Eva und knuffte Lucas gegen die Schulter. Dieser lachte auffallend gekünstelt.
Wir setzten uns in einen Viererplatz im oberen Stockwerk des Doppeldeckerbusses, der sogar kleine Tische hatte. Lucas spielte Gentleman und verstaute unsere Taschen auf der Ablage, dann hielt ich es nicht mehr aus: „Also was ist so alles auf der Schule passiert? Wir konnten uns ja a ned alles schreiben und der Blog ist nicht wirklich eine gute Quelle. Was ist zum Beispiel mit Marcus passiert?“
„Er geht jetzt mit Maja, der neuen Schulqueen“, berichtete mir Lucas gelangweilt.
-„Aber die mochte er doch früher nie, wir haben uns immer über sie lustig gemacht. Sie hat uns immer ausgelacht“.
Ich war wirklich überrascht, Maja war das schlimmste Mädchen, dem ich je begegnet war!
„Tja, sie sind jetzt seit fast einem Jahr zusammen. Ich hatte auch kurz was mit ihm“, sagte Eva und wurde knall rot.
„Cool, aber anscheinend hat er jetzt mit Maja den Geschmack verloren“, witzelte ich und legte mich über zwei Stühle.
„Ja auf jeden Fall“, bestätigte Lucas, „Jetzt hat ja Nick unsere Eva“.
„Ja stimmt ihr seit so süß und eure Fotos auf instagram sind der Hammer!“, schwärmte ich und meine beste Feundin grinste breit. Nick war vor zwei Jahren unerreichbar für jedes Mädchen gewesen. Er war der Traummann für Jede gleich nach Lucas und Marcus. Er war allerdings so ein Bücherwurm gewesen, dass er nie etwas mitbekommen hatte.
„Jep, und er war so süß am Jahresball“. Sie lächelte total verliebt. Eva sah wirklich glücklich mit ihm aus.
„Und du Lucas? Wie viele Freundinnen hattest du so?“ Lucas hielt wohl den Weltrekord. Er war der hübscheste und beliebteste Junge für jedes Mädchen auf der ganzen Schule, sie rissen sich richtig um ihn. Er aber blieb immer bodenständig und nett. Jedoch nutzte er schon ein Paar Gelegenheiten sich mit den hübschesten Mädchen der Schule zu zeigen, aber nicht nur mit denen, das war ja das tolle an ihm. Er war auch mit vielen Mädchen zusammen bei denen eher die inneren Werte zählten.
„Nur 10, zur Zeit eine…“, antwortete er, wurde dann aber von Eva schnell unterbrochen: „Eine aus unserem Jahrgang. Das tut nichts zu Sache“.
Lucas schaute kurz etwas verwirrt, doch fuhr dann wieder ganz normal fort: „Aber Prinzessin, ich muss sagen, dass Maja etwas normaler geworden ist“.
Er nannte mich immer Prinzessin, seit dem ersten Jahr als er an der Schule war, war ich seine Prinzessin.
Andere dachten früher wir wären mehr als Freunde, aber wir hatten uns nie geküsst, außer auf die Wange. Auch nicht als wir vor zwei Jahren für eine Woche zusammen waren. Dann hatte sich Marcus, der Lucas bester Freund war, in mich verliebt und wir haben Schluss gemacht. Also sah ich uns als Freunde.
Da hielt der Bus bei der nächsten Station.
„Da steigt Nick ein!“, kreischte Eva erfreut und rannte den Gang entlang aus den Bus und durchs Fenster sah ich wie sie und Nick sich verliebt in die Arme fielen. Das versetzte mir einen Stich. Die amerikanischen Jungs auf den Highschools sind gar nicht so besonders wie in den Teeniefilmen. Dort gibt es genauso Vollidioten wie hier in Deutschland!
„Sie sind wirklich glücklich“, unterbrach da Lucas meine düsteren Gedanken.
„Ja sieht so aus“, meinte ich wohl etwas zu traurig, denn Lucas sah mich besorgt an.
-„Ist irgendwas? Hast du jetzt etwas gegen Liebespaare? Sonst musste Eva immer zuschauen, wie du mit Marcus rumgeknutscht hast“.
„Ich weiß. Es ist nur…naja…ich glaube ich leide unter Liebesentzug. Wenn ich ehrlich bin war Marcus mein letzter Freund“, gab ich peinlich berührt zu und setzte mich auf.
„Wirklich? Du hattest also bis jetzt nur einen Freund, außer mich, aber das zählt wohl nicht“.
„Irgendwie waren in meiner Jahresstufe nur Volltrottel“, antwortete ich düster. Ich beobachtete jetzt wie Eva und ihr neuer Schatz sich im Gang mit seinen besten Freunden unterhielten, zu denen auch Marcus und seine Maja gehörten. Maja trug, wie es schien einen Rock der nur aus einen Streifen Stoff bestand. Zu so etwas würde ich mich nie herab begeben, das hatte ich gar nicht nötig!
Marcus versteckte seine blonden kurzen Haare unter einem schwarzen Cap, sonst trug er zu seiner Jeans nur ein weißes Shirt. Er sah schon noch sehr gut aus.
„Och Prinzessin, leidest du jetzt unter Kussentzug?“, säuselte Lucas scherzhaft in mein Ohr. Als seine Lippen mein Ohr berührten, lief Gänsehaut an meinem Hals hinunter.
„Ja total, schau meine Lippen sind ganz ausgetrocknet“, kicherte ich und formte einen kleinen Kussmund. Genau da als „Marcus neues Beihängsel“ mit ihren Zickenfreundinnen vorbeikam.
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