Kapitel elf
Ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich musste immer nur an ein Mädchen denken und zwar nicht an Antonella, sondern an Medina. Ich war ein schrecklicher Freund. Ich liebte nicht einmal meine Freundin in Ansätzen.
Ich dachte bei Antonella wäre es anders als bei den anderen Mädchen. Weil sie noch jünger war und ich dachte, sie würde vom Charakter her mehr Medina ähneln. Aber stattdessen unterschieden sie sich wie Feuer und Wasser. Antonella dachte immer nur an ihren Spaß und ihr eigenes Wohl während Medina in einer Beziehung auch die Wünsche des anderen interessierten. Ich hatte keine Lust mehr nur rumzumachen! Plötzlich stieg Übelkeit in mir auf und mir wurde schwindlig, außerdem stach mein Bauch höllisch. So mussten sich Mädchen bei der Periode fühlen.
„Was hast du?“, erkundigte sich Medina, „Ist dir schlecht? Du siehst blass aus und zitterst“.
„Ja, mir ist ein bisschen schlecht“, murmelte ich. Sofort flog Medinas Arm nach oben und sie bat den Lehrer mich in das Krankenzimmer zu bringen. Er zögerte kurz, doch als er sah wie ich in den Mülleimer kotzte winkte er uns schnell raus. Mir ging es kurz etwas besser, doch dann kam ein neuer Schub und ich musste mich kurz gegen die Wand lehnen. Medina ging noch ein paar Schritte weiter und drehte sich dann mit besorgtem Gesicht zu mir um.
„Es geht schon wieder“, murmelte ich und ging dann langsam weiter.
„Hast du eine Knutschkrankheit?“, kicherte sie, während wir in den Gang zum Krankentrakt einbogen.
„Nein die hätte ich ja schon lang. Mir ist nur ein bisschen schlecht“. Ich lächelte schwach und betrat das Untersuchungszimmer. Medina musste draußen warten.
Die Ärztin die sich hier um uns kümmerte war meine Tante Mary und sie wusste von meinem…naja besonderen Problem.
„Was ist denn mit dir los. Du kannst doch gar nicht krank sein…außer…ja das könnte sein“, dachte sie laut nach und befühlte meine Stirn.
-„Was könnte sein?“
„Du wirst erwachsen Lucas!“, lachte sie und befahl mir das Oberteil auszuziehen. Endlich würde ich ein Teil unserer Gemeinschaft werden. Hoffentlich überlebte ich es, die meisten Ältesten waren nämlich der Meinung, dass es bei mir als männlicher Daya viel heftiger sein würde.
„Du hast tolle Muskeln“, lachte sie und fuhr über meine Arme.
„Hatte ja mit 500 Jahren genug Zeit zum Training“, seufzte ich, „Aber jetzt fummel nicht an mir rum. Hat sich schon etwas verändert?“
Ihre Augen fuhren über meinen Oberkörper vor und zurück, ab und zu berührte sie ein Muttermal oder eine Narbe. Ließ dann aber von ihr ab.
-„Nur wenn du diese Schnitte nicht schon vorher hattest. Ich hab sie jedenfalls nicht behandelt“.
Ihr Finger fuhr quer über meinen ganzen Bauch und hinterließ dort ein schreckliches Brennen, außerdem kehrte das Schwindelgefühl zurück. Ich hob meinen Kopf und sah auf meinen Bauch. Zwei klaffende Narben zogen sich von links nach rechts über ihn.
„Aber wo kommen die her. Ich habe mich beim Sport in den letzten Tagen auch nicht verletzt“, fragte ich verwundert.
„Bleib über Nacht einmal im Krankenzimmer. Ich hole schnell Verbandszeug und rufe Kamit an, dass es so weit ist. Verletzungen treten beim Alterungsprozess normalerweise nicht auf. Soll ich Medina hereinholen?“
Wenn das normalerweise schon nicht ist, was würde noch mit mir passieren und wie würde ich danach aussehen?
„Ja bitte“, willigte ich matt ein.
Ich zog mich wieder an und bald darauf stand meine beste Freundin im Zimmer.
„Was hat sie gesagt. Was hast du? Ist es schlimm?“
„Nein, nein. Nur eine Magendarmgrippe“, beruhigte ich sie und brachte ein halbes Lächeln zustande.
„Wirklich?“. Zweifel lag in ihrer Stimme, ich konnte sie noch nie belügen. Sie spürte alles.
„Ja, es ist wirklich…nichts Schlimmes. Ich bleib ein bis zwei Tage hier und kotz mir die Seele aus dem Hals, dann ist alles wieder gut“. Ich wusste, dass es nicht so war.
„Wehe du belügst mich. Soll ich noch etwas da bleiben?“
Ich gähnte: „Nicht, dass ich nicht will Prinzessin, aber ich bin jetzt etwas müde und möchte schlafen“.
„OK, dann lass ich dich alleine Schlafmütze“, verabschiedete sie sich und drückte mir noch ein kleines Küsschen auf die Wange, „Gute Besserung.“
„Willst du etwa, das Marcus eifersüchtig wird“, witzelte ich. Doch sie lächelte nur breit und schon war sie verschwunden.
Nachdem meine Wunden versorgt waren, sie waren tiefer geworden, schleppte ich mich schwach in den Krankensaal und legte mich auf eines der sechs Betten. Nach einem weiteren Schub Übelkeit und stechender Schmerzen im Bauch wurde ich ohnmächtig.
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