Kapitel vier

Endlich waren wir bei der Schule angekommen und stiegen aus dem Bus. Das Schulgebäude sah wie vor zwei Jahren immer noch sehr romantisch aus. Vor mehreren hundert Jahren war das Haus ein richtiges Schloss, von einem echten König, gewesen. Das Internat allerdings war in einem moderneren Teil untergebracht, der vor 5 Jahren angebaut worden war. Am Anfang, also in der 5.-7. Klasse lebten wir noch in richtig alten Zimmern mit Stuck an der Decke und so weiter. Das war viel schöner.
Schon kam die Direktorin Frau Huber aus dem großen Portal und breitete mütterlich die Arme aus.
„Hallo Kinder, endlich seid ihr da! Kommt in den Speisesaal und esst etwas, ihr seht wirklich müde aus“.
Wir nahmen alle das Angebot dankend an und folgten ihr in den riesigen Saal, wo immer gegessen wurde, wenn ein wichtiger Anlass war. Sonst kochten wir alle in unseren Internats WGs in der Küche. Das sollte uns selbstständiger machen. Aber meistens aßen wir dann Tiefkühlgerichte aus dem kleinen Internatssupermarkt.
Bevor ich in die Halle trat sah ich noch auf dem Plan nach, in welcher Wohnung ich jetzt war. Freude durchfuhr mich, ich war mit Eva eingeteilt und mit…Maja und Lulu. Na super, das konnte lustig werden! Sicher würden dann immer Marcus und Lucas bei uns sein um mit ihren tollen Freundinnen was zu machen!
„Das wird einen super Zeit“, murmelte ich enttäuscht in mich hinein und setzte mich zu Eva und Nick an den Tisch.
Es gab Hähnchenschenkel mit Pommes und Ketchup und ich langte richtig zu. Ich wurde nie wirklich dicker, egal wie viel ich aß. Ein echter Vorteil!
„Sind wir in einer WG?“ Eva war Vegetarierin und betrachtete mit Abscheu, wie ich genüsslich das Fleisch aß.
„Ja, mit Maja und Lulu“, schmatzte ich und wischte mir den Mund ab.
„Das wird sicher lustig“, seufzte Eva und stand auf um den Teller wegzubringen.
„Denke ich auch“, stimmte ich zu und folgte ihr vor zur Theke um das Tablett abzugeben. Auf dem Weg entdeckte ich Lucas mit Marcus an einem Tisch. Die beiden unterhielten sich angeregt über die Ferien, die sie anscheinend gemeinsam in Australien verbracht hatten.
Die WGs der Schüler und Schülerinnen waren sehr modern eingerichtet und die Farben der Wände verbreiteten stets positive Stimmung.
Hier konnte man sich echt wie Zuhause fühlen.
Ich reservierte mir sofort das Zimmer mit dem größten Balkon und stellte meinen Koffer auf das große Bett.
Das ganze Zimmer war in einem hellen rosa gestrichen und mit weißen Möbeln eingerichtet, genau mein Geschmack!
„HEY, DAS IST MEIN ZIMMER!!! UND DAS SEIT ZWEI JAHREN!!!“, schnauzte mich plötzlich jemand von hinten an und ich drehte mich erschrocken um.
Es war Maja, was konnte man auch anderes erwarten!
„Ich war hier aber als erstes!“, keifte ich zurück und stemmte die Hände in die Hüften.
-„Dieses Zimmer ist reserviert! Zieh Leine!“
„Dann nehm ich eben das lila gestrichene. Man ist das kindisch,“ stöhnte ich.
„Geht nicht! Das ist für Lulu, sie möchte das gleiche wie letztes Jahr. Wegen Lucas weißt du, sie denkt auf das steht er besonders,“ höhnte Maja und begann ihre Tasche auf dem Bett auszupacken, dass vor kurzem meins gewesen war.
-„Dann nehme ich eben das lindgrüne.“
Genervt verschwand ich aus dem Zimmer und packte meine Sachen in dem lindgrünen Raum mit den braunen Möbeln aus, dafür hatte es ein eigenes Bad mit Badewanne. Nicht so wie in dem davor, bei dem man sich die Toilette mit dem lila Zimmer teilen musste, außerdem schlief Eva gleich im Zimmer nebenan (weinrot mit weißen Möbeln), dann konnte man gut quatschen.
Bald war alles in die Schränke verstaut. Auch meine Bibliothek die ich mitgebracht hatte, sie enthielt alle wichtigen Bücher: Harry Potter, Narnia und Plötzlich Prinzessin, außerdem ein bisschen Fachliteratur wie die Justin Bieber Biografien. Ich wollte mich gerade mit einem guten Hörbuch entspannen, da hörte ich ein Liebesgesäusel im Gang und ich dreht den MP3-Player leiser.
„Hallo Schatz, ich habe das ganze Zimmer für mich. Lust dazu?“, hörte ich Lulus Stimme säuseln und danach ein lautes Kussgeräusch.
„Nein danke. Ich muss noch mein Zimmer einräumen,“ lehnte Lucas Stimme sanft ab, gab ihr noch schnell einen Kuss und bald darauf hörte ich die Tür.
Ein Freudengefühl stieg in mir auf und am liebsten hätte ich einen riesen Luftsprung gemacht, konnte mich dann doch noch zurückhalten. An diesem Abend schlief ich glücklich und zufrieden ein und wachte am nächsten Tag genauso fröhlich wieder auf.
Eva hatte ein leckeres Frühstück gekocht und wir aßen noch als Maja und Lulu aufgetakelt aus dem Bad kamen. Sie sahen aus wie zwei Barbiepuppen. Bald darauf trafen auch ihre beiden Kens ein.
„Hi Medina, gut geschlafen?“, fragte Lucas freundlich, denn er musste noch auf seine Barbie warten, die nochmal im Bad verschwunden war.
„Super und du?“ Ich stellte meinen Teller in die Spüle und schrubbte ein bisschen mit dem Schwamm darüber.
„Auch gut. Lulu hast dus jetzt endlich!“, schrie er durch die Wohnung und endlich kam Lulu ein zweites Mal aus dem Bad, jetzt mit einer süßlichen Parfümwolke umgeben.
„Natürlich mein Mäuschen, riech ich jetzt nicht super! Das mach ich alles nur für dich,“ säuselte sie und beachtete mich gar nicht. Ihr Mäuschen bekam einen riesen Hustenanfall und keuchte: „Muss das sein!“
„Ja das muss sein,“ kicherte sie und zog ihn hinter sich her aus der Wohnung. Lucas winkte mir noch seufzend nach und schon waren sie verschwunden. Ich nahm noch einen Schluck Kakao, sah nach ob mein Pferdeschwanz am richtigen Fleck war und verließ dann auch das Gebäude. Ein Weg führte durch den Park zum Schulgebäude.
Ich liebte diesen ruhigen Teil der Anlage, hier war es fast, als wäre man in einem Wald, dadurch bekam ich auch nie Heimweh nach meinem Dorf.
Ich kam genau rechtzeitig zum Unterricht und setzte mich neben Lucas. Zum Glück gingen Lulu und Maja in die Hauptfach-Parallelklasse. Wir waren in Hauptfachklassen eingeteilt, welche miteinander Deutsch, Mathe, Sport und Englisch verbrachten  Die anderen Fächer konnte man frei dazu wählen.

Ich wollte gerade ein Gespräch mit meinem besten Freund beginnen, da kam der Lehrer ins Zimmer geschneit.
Was hast du heute vor? Triffst du dich mit Stinki?
Schob ich Lucas einen Zettel rüber und sah weiterhin starr zum Lehrer Herr Maus, der Mathematik unterrichtete.
Ja leider, kann aber auch absagen, was hat denn meine Prinzessin mit mir vor?
Natürlich hatte er mich sofort durchschaut.
Aha, du hast immer noch die Opaschrift. Naja vielleicht ein Film in meiner WG, als Freunde. Lulu und Maja können ja shoppen gehen, sonst wird sie rot wie ein Fliegenpilz und genauso giftig.
Ich kicherte und Herr Maus sah mit hochgezogenen Augenbraun zu uns herüber.
„Aha da sind zwei anscheinend zu schlau für meinen Unterricht,“ höhnte der Lehrer und kam näher auf uns zu.
„Genau“, provozierte Lucas und lehnte sich lässig zurück.
„Gut wenn du das meinst, zeig es uns an der Tafel“, lachte Herr Maus. Lucas stand ganz ruhig auf, ging an die Tafel und schrieb eine richtige Zahl nach der anderen an das Whiteboard. Der Mann neben mir bekam einen hochroten Kopf und als mein bester Freund fertig war ließ er ihn geschockt auf seinen Platz passieren. Als der Lehrer wieder vorne stand schrieb er weiter, als wäre nichts passiert.
Ich habe keine Opaschrift! Sie ist nur ordentlicher als die von manchen anderen Personen.
Ich schmiere nicht, das ist eine künstlerische Schrift!
Jaja natürlich  Naja jedenfalls, das hört sich gut an, welchen Film?
Auf was hättest du Lust?
Irgendwas wo wir früher auch oft gesehen haben  „Star Trek“?
Stehst du immer noch auf Weltraum und so?
Ja  Und wie findest dus?
Ok
Es klingelte und wir mussten in unterschiedliche Klassenzimmer weiter. Ich hatte mir zusätzlich Biologie, Geschichte und Musik ausgesucht. Lucas hingegen hatte ein zweites Mal Sport, Physik und Chemie.
Dann war endlich Pause und ich und Eva trafen uns in einer Ecke im Pausenhof.
„Glaubst du es ist echt eine gute Idee, dass du dir mit Lucas allein einen Film anschaust? Was wenn euch Lulu trotzdem sieht? Die köpft euch!“, warnte meine BF mich und sah besorgt zu Lucas hinüber der versuchte seine beleidigte Freundin mit einem Kuss zu beruhigen.
„Warum sollte man mit seinem besten Freund keinen Film anschauen dürfen?“
„Weil er eine total eifersüchtige Freundin hat! Also ich an deiner Stelle würde ihm absagen.“ Sie war immer vorsichtiger als ich und meistens hatte sie auch Recht. Doch ich gab nicht nach: „Ich sag ihm nicht ab!“
-„Weißt du, was ich für einen Verdacht habe. Du bist eifersüchtig auf Lulu und willst dich mit ihm treffen, damit du ihn auch mal für dich hast.“
Eva grinste breit.
„Nein gar nicht, ich freu mich für Lucas, dass er eine Freundin hat. Aber warum muss es Lulu sein! Sie passt gar nicht zu ihm!“, zischte ich, damit es Maja die Barbie und Marcus nicht hörten die gerade hoheitsvoll an uns vorbeischritten.
„Du bist ja wirklich eifersüchtig“, neckte Eva mich weiter und mir reichte es jetzt: „BIN ICH NICHT! WENN DU DAS NICHT GLAUBST, LASS ES EINFACH!!!“

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