Kapitel neun
-"Medina was war das!?“
„Nichts Frau Otter ich habe mir nur kurz eine neue Tintenpatrone geholt“, redete ich mich etwas unklug heraus, schließlich schrieb ich schon den ganzen Unterricht (also nur Zettelchen) mit einem Kulli.
Was unsere Frau Lehrerin leider auch bemerkte: „Aha, wusste gar nicht, dass Kugelschreiber auch Füllerpatronen brauchen!“
Ihr Lächeln wurde noch hämischer. Ich liebe ja den Biounterricht, aber diese Frau konnte ich einfach nicht leiden.
„Ja ich gebe es zu, ich habe nicht aufgepasst“, murmelte ich und versuchte ein wenig unschuldiger zu wirken.
Es war der rücksichtslosen Frau egal und ich musste für 10 min in den Gang und wenn ich dann weg wäre müsste ich zur Rektorin.
Gelangweilt setzte ich mich auf den Boden und lehnte meinen Kopf gegen die Wand, da kam plötzlich Marcus aus dem Klassenraum gegenüber. Kurz blieb er verdattert stehen, dann grinste er breit. „Schatz, was machst du denn hier?“
-„Ich wurde von Frau Otter rausgeworfen, weil ich gesimst hab und du?“
Ich lachte trocken und Marcus ließ sich neben mir fallen, automatisch zog er mich mit einem Arm näher an sich.
-„Maja hat mir die ganze Zeit Hassbriefe zukommen lassen und als ich antworten wollte, hat man mich erwischt. Total unfair.“
„So sind die Lehrer halt, sie nehmen auf die besten Leute keine Rücksicht“, seufzte ich und wollte ihm einen Kuss auf die Wange geben, doch er drehte den Kopf zu seinem Vorteil und ich traf mitten auf den Mund. Dieser Schwachkopf. Ein Lächeln umspielte seine Lippen als er meinen überraschten Blick sah.
„Denkst du, ich geb mich als dein Freund mit einem Kuss auf die Wange zufrieden. Die bekommt ja Lucas schon“, witzelte er und wir lachten laut los.
Da schlug die Tür zu Frau Otters Klassenzimmer auf und sie höchst persönlich trat heraus. Augenblicklich fuhren wir auseinander und ich rückte mein Top zurecht, aus dem die Spitzen meines BHs zu sehen waren.
„Aha so ist das also! Erst schaust du nur auf dein Handy und die Strafe dafür verbringst du knutschend mit diesem Taugenichts!“, fuhr sie mich an und Wut kochte in mir hoch. Mir fielen so viele Wörter ein die ich ihr an den Kopf werfen wollte aber ich konnte mich noch beherrschen.
„Es tut mir Leid. Es ist wirklich nicht Medinas Schuld. Ich musste nur zufällig zum selben Zeitpunkt in den Gang“, verteidigte mich Marcus, wie ein echter Ritter. Wie romantisch. Machte ich wieder diesen Schmachtblick…?
„Das ist mir egal!“, schrie die Lehrerin und ihre Stimme wurde lauter, „Medina zurück in den Klassenraum und sie bekommen einen Aufsatz über drei Seiten zu dem menschlichen „Paarungsverhalten“. Ihr Freund kann ihnen sicher dabei behilflich sein“.
Ich sah, dass es Marcus viel Mühe kostete nicht loszulachen. Als die Biologin allerdings fortfuhr, verstummte sein keuchen urplötzlich: „Ich habe ihn und Maja schließlich in der Damentoilette beim Ball dabei entdeckt! Und sie sahen aus, als hätten sie schon Übung darin Herr Weide."
Ich begann haltlos zu kichern und verschwand nach einem Luftküsschen zu Marcus hinter der Lehrerin im Klassenzimmer.
Ich fand es auch krass! Ich hätte bei Marcus nicht einen One-Night-Stand nach einem Schulball erwartet! Wir hatten in unserer letzten Beziehung unser erstes Mal gehabt aber auch erst nach 6 Monaten, der Gedanke an Maja und ihn verletze mich.
Die letzten 15 min vom Unterricht verbrachte ich damit, Bilder von Marcus und Maja aus meinem Kopf zu verdrängen, die knutschend in der Mädchentoilette an der Wand lehnten. Ihhh!
Auch in der nächsten Stunde ging mir das nicht mehr aus dem Kopf und natürlich bemerkte Lucas das.
„Was hast du denn?“ Er sah mich besorgt an und joggte langsamer neben mir her. Zum Glück hatten wir gemischten Sportunterricht. Aber wie kam ein Lehrer darauf im November mit seiner Klasse draußen zu joggen?
„Frau Otter hat mich über die Situation zwischen Lucas und Maja am letzten Ball aufgeklärt!“
Ich musste die Tränen zurückhalten. Ich wusste echt nicht, dass Marcus so ein Depp war.
„Du bist jetzt sauer auf ihn? Aber ich kann dir versichern, er war betrunken! Ich hatte ihn noch nie so besoffen erlebt und Maja hat ihn dann mit aufs Klo genommen!“, verteidigte Lucas natürlich sofort seinen besten Freund und man sah ihm an, dass er es ernst meinte.
„Also sie hat ihn betrunken gemacht?“, hakte ich nach.
-„Jep, das denke ich jedenfalls“.
„Aber, das ist doch total widerlich. Wer macht denn so was?“, sagte ich mit Abscheu in der Stimme. Warum war Marcus, dann noch fest mit ihr zusammengekommen? Hatte er es danach gar nicht bemerkt?
„Eine die etwas wirklich will. Sie ist aber auch eine Matratze, ich war der einzige Freund von ihr bei dem sie drei Monate gewartet hat!“
„Krass“, entfuhr es mit etwas zu laut. Wie viele Lehrer hassten mich? Jetzt jedenfalls einer mehr.
„Was ist so krass!“, höhnte Herr Weiher.
„Ihr Unterricht natürlich“, lachte Lucas und machte eine kleine Verbeugung vor unserem äußerst attraktiven Sportlehrer.
„Aha, wusste gar nicht, dass ihr solche Fans von mir seid! Wenn das so ist dreht ihr jetzt zwei extra Runden!“, befahl er und grinste hämisch.
„Klar Sir.“ Lucas joggte schneller weiter und ich kam nicht mehr hinterher, deshalb schloss ich mich Eva und ihren anderen Freundinnen an.
„Auf wen stehst du jetzt. Lucas oder Marcus? Das ist so spannend“, fragte die eine, sie ging eher als das sie lief.
„Auf Marcus natürlich. Er ist ja mein Freund“, meinte ich empört, dabei versuchte ich so langsam wie sie zu sein.
„Ihr zwei seht aber auch sehr vertraut aus“, klinkte sich eine schwarzhaarige ins Gespräch ein, die sehr magersüchtig aussah.
„Die zwei sind wirklich nur befreundet“, verteidigte Eva mich. Und ihre Augen sagten: „Du tust mir wirklich leid."
„Achso, Antonella sagt, er wirke immer etwas abwesend. Fast so, als wäre er mit den Gedanken woanders“, stichelte die Langsame.
„Ja wahrscheinlich, weil er langsam keinen Bock mehr hat in der Öffentlichkeit rumzumachen!“, keifte ich zurück und joggte davon. Ich hatte echt keinen Bock mehr auf solche Leute. Seit zwei Tagen mussten ich und Marcus das schon über uns ergehen lassen. Marcus wurde vorgehalten, dass er dumm war, da ich ja schon immer auf Lucas stand und diese Beziehung also nicht lange halten würde. Und ich wurde immer fertig gemacht, weil ich Marcus betrügen würde, da ich ihm ja angeblich nur vorspielte in ihn verliebt zu sein. Wie doof konnten Leute nur sein.
Alleine drehte ich noch meine letzte Runde und endlich hatte ich den Sportunterricht überstanden.
Im Pausenhof stand ich allein in einer Ecke, Marcus musste zum Fußballtraining. Lucas war wie es aussah sehr mit Antonella beschäftigt und Eva quatschte mit ihren anderen Freundinnen.
War mir langweilig! Ich lernte sogar für die nächsten Stunden.
Da ließ sich plötzlich Antonella neben mir nieder, anscheinend war ihr das Geknutsche mit Lucas zu langweilig geworden. Jedenfalls konnte ich ihn nicht mehr sehen.
„Lucas redet oft von dir“, sagte sie so beiläufig, dass ich es ihr nicht abkaufte.
„Ja wir sind schon seit langer Zeit befreundet. Warum sollte er nicht von mir reden“, lachte ich trocken und zog mich wieder hinter dem Mathebuch zurück.
„Du willst also wirklich nichts von ihm?“, fragte sie und funkelte mich mit ihren dunklen Augen an.
„Ja“, zischte ich genervt.
„Gut, dann kannst du mir sicher einen Tipp geben. Auf welche Art von Bikini steht er denn und was sollte ich auf keinen Fall in unserer Beziehung machen? Ich bin nämlich noch ein bisschen unsicher“, mit großen Augen sah sie mich fragend an. Was sollte das bitte?
-„Ähm…rot würde dir sicher stehen und am besten nicht zu knapp, er mag keine nuttenhafte Kleidung. Was die Regeln in der Beziehung angeht … dräng ihn nicht zum Sex oder so“.
-„Ist er denn gut im Sex? Ich habe da nämlich von Maria gehört, dass…“.
-„Äh Antonella, das weiß ich wirklich nicht. Ich bin seine beste Freundin…nicht…ach egal. Er ist sicher sehr liebevoll. Viel Spaß euch beiden“.
Verwirrt stand ich auf und suchte mir einen anderen Platz.
Endlich klingelte die Glocke und bevor der Unterricht begann konnte ich mich noch mit Marcus im Gang treffen.
„Mir haben heute schon drei Leute vorgehalten, dass ich dich betrüge“, flüsterte ich zwischen zwei Küssen. Sanft fuhr Marcus meine Lippenkonturen nach.
-„Mir haben fünf gesagt, dass du mich hintergehst. Aber ich vertraue dir."
„Wirklich?“, hakte ich genauso leise nach.
-„Natürlich, sonst wäre ich ja nicht mit dir zusammen.“
Diese Versicherung tat meinem langsam schwindenden Selbstbewusstsein mehr als gut.
Bevor ich noch etwas sagen konnte, stellte er mich mit einem Kuss stumm.
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