Prolog

„Hach Hauptmann Lucas ist doch ein wahrer Mann findest du nicht Dolores“, seufzte Anna Maria von Hohenbauern und sah mir mit schmachtenden Blick zu, wie ich den nächsten Hieb von meinem Vater abwehrte und ihn mit einem Stoß gegen die Brust zu Boden warf.
„Klasse gekämpft mein Sohn“. Fröhlich klopfte er mir auf die Schulter und winkte dann zu den Damen herüber.
„Ich glaube die stehen auf dich mein Junge, eine Partie mit Anna Maria soll aufregend sein. Sie soll neue Techniken im Bett entwickelt haben“, witzelte mein Dad, zwinkerte mir zu und verschwand dann zu einer Bank wo meine Mutter saß und stickte. Das Schloss Marienstein war mein Lieblingsort, zum Glück hatte uns der König einmal wieder eingeladen. In meiner Kindheit war ich fast jeden Tag hier gewesen. Jetzt mit 18, wo ich schon Kriegsdienst leisten musste, war ich so selten in unserm Schloss, das ganz in der Nähe lag, dass ich fast keine Gelegenheit dazu hatte.
„Ich sehe was, was du nicht siehst“, hörte ich eine Mädchenstimme hinter mir, „Es ist männlich, dumm, braunhäutig, aber mit dem Säbel ist er unschlagbar“.
Ich drehte mich um, vor mir stand ein Mädchen in etwa meinem Alter mit großen blauen Augen, sie hatte ein Diadem in ihre schwarzen Locken geflochten und trug ein vornehmes blassrosa Kleid.
„Maria“, rief ich.
Sie grinste: „Das ist die falsche Antwort, aber ich kann es noch einmal durchgehen lassen. Weil du es bist“.
Mit glockenhellem Lachen lief sie auf mich zu, als sie ankam wirbelte ich sie durch die Luft, bevor ich sie wieder auf dem Boden absetzte.

„Wie geht es dir? Wie geht es deinen Pferden?“, fragte ich als wir Hand in Hand durch den Schlosspark schlenderten.
„Mein Befinden ist sehr angenehm und Annabelle und Flocke haben den besten Trab vom ganzen Stall“, antwortete sie, „Aber ich hab immer so Angst um dich wenn du auf dem Schlachtfeld bist“.
Wir blieben stehen, der See vor uns glitzerte wie reine Saphire und die Vögel sangen eine fröhliche Melodie, jeder auf seine eigene Art.
„Naja, viele meiner Kameraden sind letzte Woche gefallen als Österreich angriff, aber ich schlage mich ganz gut, nur leichte Kopfverletzungen“. Zum Beweis strich ich meine Haare aus dem Gesicht und eine kleine Schürfwunde kam zum Vorschein.
„Dann bin ich ja froh. Aber Lucas ich muss etwas Wichtiges mit dir bereden“. Ihre Stimme klang niedergeschlagen. Irgendetwas stimmte nicht.
-„Ist was Schlimmes geschehen? Ist deinem Vater nicht wohl?“
„Nein er hat kein Leiden? Aber ich bin seit drei Monaten mit Prinz Hubertus von Hohenbauern verheiratet, deshalb hast du auch seine kleine Schwester im Park gesehen“.
„Aber…aber…es war doch gerade wie immer. Wir haben gelacht, du hast gesagt du hättest Angst um mich“, stotterte ich. Ich konnte es nicht fassen! MEINE Maria war mit diesem Torfkopf verheiratet.
-„Es tut mir Leid Lucas, das mit uns hat mein Vater nicht gebilligt. Ich solle mir einen bodenständigen Mann suchen und keinen Soldaten der immer auf Schlachtfeldern rumläuft und nie für seine Frau da sein kann, meinte er. Es ist besser ich gehe jetzt, du findest schon noch deine Prinzessin“.
Sie drehte sich schnell um, raffte ihre Röcke und rannte in Richtung des Schlosses davon. Warum hatte ich immer Pech mit Frauen, aber diesmal würde ich nicht so schnell aufgeben. Ich brüllte ihr hinterher: „Maria warte!“
Mitten im Lauf erstarrte sie und drehte sich zu mir um.
„Lucas, lass mich jetzt einfach in Ruhe klar. Das mit uns hat keinen Sinn mehr, ich habe jetzt meinen Mann und du deinen Krieg“, schluchzte sie und drehte sich wieder von mir weg.
„Komm schon. Deine Liebe hängt immer noch an mir, ich sehe es dir doch an“. Vorsichtig strich ich ihr eine Träne von der Wange.
-„Meine Liebe muss sich aber von dir lösen, mein Stand verlangt es so Lucas. Ich kann nicht den nächstbesten Soldaten lieben“.
Ich ließ nicht locker: „Aber ich bin kein nächstbester Soldat, wir kennen uns seit ich denken kann“.
„Du bist aber nicht Prinz Hubertus, der meinen Vater gefragt hat. Wenn du um meine Hand angehalten hättest, wäre es kein Problem“, schrie sie mich an und in ihren blauen großen Augen schwammen Tränen.
„Also du bist eher beleidigt, weil ich dich nicht heiraten wollte!“, motzte ich zurück.
„Wenn du es genau wissen willst, hast du Recht! DU bist einfach noch ein kleiner Junge, der sich mit Frauen nur erfreuen will und Hubertus ist wenigstens schon ein starker Mann!“
Sie klang wirklich verletzt und am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen, aber das durfte ich ja nicht mehr. Scheiß Zwangsheirat und ich konnte dem Deppen nicht zuvorkommen, ich war ja zwei Jahre weg gewesen, weil ich in Frankreich an der Front war, dann in Russland und zum Schluss in Österreich.
-„Es tut mir leid“.
Sie zickte weiter: „Ja, ja kann jeder sagen! Dann viel Freude in deiner Freiheit, jetzt warte ich nicht mehr auf dich!“
Ich ließ sie laufen. Irgendwann würde ich noch die große Liebe finden.
Das gleiche Mädchen traf ich noch zweimal, bis ich die beste Version von ihr traf: Medina!

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