Kapitel dreißig
Am Neujahrsabend trafen wir also zu viert in einem edlen Restaurant ein. Dort erwartete uns ein überraschender Gast, besser gesagt eine ganze Familie.
„Kamit, Davied oh und die zwei Kleinen. Hallo, schön euch zu sehen.“ Meine Mutter winkte erfreut, doch mir und meinem Bruder war die ganze Sache wenig geheuer.
Medina sah an diesen Abend wunderschön aus in ihrem lila Kleid, doch ihre Augen waren noch ein wenig verquollen. Sie hätte den Abend gerne mit Marcus verbracht, doch er hatte spontan gemeint, er brauche Abstand.
„Die Freude ist ganz meinerseits. Wir sitzen genau am Nachbartisch. Meine beiden Töchter wollten endlich Mal wieder auswärts essen. Ah und du musst bestimmt Medina sein“, grüßte Kamit zurück und ihre beiden Töchter Belle, eine Daya, und Michela nickten höflich. Belle war zehn Jahre alt, hatte leuchtend blonde Haare und ein einnehmendes Lächeln. Michela war hingegen das komplette Gegenteil von ihrer 5 Jahre älteren Schwester. Sie hatte dunkle Haare und wandte immer schüchtern den Blick ab. Sie lebte leider im Schatten ihrer strahlenden Schwester, genauso wie Arvid in meinem.
„Hallo, ja ich bin Medina eine Freundin von Lucas“, stellte sie sich vor und schüttelte der Königin freundlich die Hand.
„Schön dich persönlich kennenzulernen, ich bin Kamit die Chefin von Arvid und die Leitung des Vereins von Lucy.“
Wir setzen uns an den Tisch und Medina setze sich zwischen mich und Arvid. Sie redete viel an diesem Abend mit ihm und es stellte sich heraus, dass sie ähnliche Interessen hatten, langsam wurde ich bisschen eifersüchtig.
„Hey in welche Bar gehen wir?“ Ich unterbrach damit eine Unterhaltung über Tschaikowsky.
„Hm, vielleicht…einfach die kleine um die Ecke?“, schlug Arvid vor und Medina nickte.
Das Thema war damit erledigt und sie ignorierten mich wieder. Genervt beugte ich mich an den anderen Tisch herüber und bemerkte, dass Kamit kritisch in Richtung Arvid und Medina blickte.
„Warum lässt du das zu?“, zischte sie zu mir herüber und ich schüttelte lachend den Kopf.
„Überbewerte das doch nicht Kamit, sie unterhalten sich nur", flüsterte ich, „Ist doch gut, wenn sie sich mit meinem Bruder versteht.“
Ruckartig packte die Königin mich unter dem Tisch am Arm. „Du verstehst gar nichts oder, ich würde es auch am liebsten ignorieren! Meine Familie ist hier! Aber sie flirtet offensichtlich mit dem Offizier!“
-„Welchen? Achso mit Arvid. Nein ganz bestimmt nicht. Schau doch sie reden nur über Bücher.“
-„Ach komm, das glaubst du doch selbst nicht? Du kennst Arvid genauso gut wie ich.“ Kamit verdrehte die Augen und ich nippte nachdenklich an meinem Weinglas, während ich verstohlen meinen Bruder beobachtete.
Hm er hatte schon dieses schiefe Grinsen, das er auch bei hübschen Dayas immer nutzte aber Medina zeigte sich ganz unbeeindruckt und trank ihre Cola. Ganz ehrlich, ich hatte Arvid ja erzählt um was es mir bei Medina ging und warum sollte mich mein eigener Bruder hintergehen?
-„Ich habe mit Arvid an Weihnachten in unserem Haus darüber geredet, was Medina für einen Bedeutung für mich hat und er weiß von dem Rat schon längst, was es mit meiner Auserwählten auf sich hat und welchen Nutzen wir als Paar für die Gemeinschaft haben.“
-„Tja, dann hoffe ich, dass dein kleiner Bruder an die Gemeinschaft denkt. Wie hat er die Nachricht verarbeitet, dass du seine Truppe übernimmst?“
Jetzt waren wir schon voll in die Regierungsgeschäfte eingetaucht, passte gar nicht zu so einer entspannten Familienfeier.
-„Ganz gut Kamit, er hat meinen Standpunkt verstanden und wendet sich nun anderen Aufgaben in der Gemeinschaft zu. Ich hätte sogar schon einen neuen Auftrag für ihn, wenn es für dich okay ist.“
-„Hm, bei so etwas würde ich dich bitten beim obersten Militär einen Auftrag einzureichen. Um was würde es denn ungefähr gehen?“ Sie zückte ihr „Daya-Mobil“ und öffnete eine App.
„Ähm…naja ich hätte ihn gerne als Bodyguard für Medina.“ Ich grinste verlegen und sah schon an Kamits Gesichtsausdruck, dass sie davon nicht begeistert war. Mit gerunzelter Stirn tippte sie etwas in ihr mobiles Gerät und antwortete dann: „Naja Lucas, ich habe dir schon viele Gefallen getan und du weißt, ich mag dich sehr gerne, wie meinen eigenen Sohn. Darüber würde ich aber gerne mit dir, Arvid und dem dafür zuständigen Beamten gerne in den Ferien noch in meinem Büro reden. Ich denke ich habe dir heute meine Bedenken schon gut erläutert und du weißt schon ungefähr meine Gegenargumente.“
„Okay gut. Jetzt genießen wir aber erst Sylvester oder Kamit?“ Freundlich lächelnd stießen wir an.
„Worüber hast du so lange mit dieser Frau geredet Lucas?“, fragte mich Medina zwei Stunden später in einer kleinen Bar in der Altstadt.
„Ach nichts Großes. Ich habe einen Termin für mich und Arvid vereinbart, weil wir uns mehr in dem Verein engagieren wollen, wenn mein Abitur vorbei ist. Oder Arvid?“, ich nickte ihm unauffällig zu.
„Ähm ja klar, stimmt. Mann das hab ich schon fast vergessen. Gut, dass das klappt“, stotterte Arvid und versuchte seine Unsicherheit mit einem Lächeln zu verbergen.
Medina legte ihren Kopf auf meine Schulter und ich war so erleichtert, dass sie wieder mehr Nähe zu mir aufbaute, Kamits Worte hatten mir doch etwas Angst gemacht. Dabei war das so ein Unsinn, dass mir Arvid eine Gefahr sein könnte, er war ja schließlich nur ein Mensch und mein eigener Bruder.
„Ja cool”, kicherte Medina und nippte an ihrer Wodka-Cola.
„Dachte du trinkst keinen Alkohol mehr?”, hakte ich lächelnd nach, doch sie grinste nur breit und nahm noch einen großen Schluck.
Mein Bruder jedoch mischte sich sofort ein: „Sei doch kein Spielverderber Brüderchen, du bist ja auch nicht so brav, wie du vor Kamit immer tust.”
„Genau sei kein Spielverderber Lucas, trinke doch einfach mit. Ich brauche das nach meinem Problemchen mit Marcus, er kann ja nicht trinken und ich tue gar nichts”, kicherte Medina aufgedreht und schmiegte sich ohne Vorwarnung an meine Brust. Naja, wenn der Alkohol diese Wirkung hatte, wollte ich sie wirklich nicht länger aufhalten, musste nur wirklich aufpassen, dass mir nicht doch eine Verbindung passierte. Hm, aber ein bisschen Wodka,… warum nicht? Ich war doch immer so ernst gewesen, warum sollte ich mir jetzt nicht ein bisschen Spaß gönnen, mit Arvid war es sowieso immer so lustig und der trank ja im Moment auch schon.
„Einmal Wodka RedBull bitte”, rief ich dem Barkeeper zu und mein Bruder klopfte mir auf die Schulter und flüsterte: „Guter Lucas. Gönn es dir!”
Als wir wenig später aus der Bar heraustraten hörte ich nur noch alles sehr dumpf und fühlte mich etwas benebelt.
„Geht es dir gut?”, hörte ich meinen Bruder neben mir und ich konnte nur nicken.
„Medina komm wir gehen da lang”, lachte mein Bruder, „Aufpassen dort fahren Autos. Wir wollen doch noch zum Feuerwerk Zuhause sein.”
„Ich will nicht, ich will neben Lucas laufen”, maulte meine beste Freundin und griff nach meiner Hand. Sie war immer noch wie vor zwei Jahren, wenn sie betrunken war, super anhänglich.
Arvid seufzte und wir machten uns auf den Weg zu einem Taxistand, wo sofort eines für uns bereitstand, nachdem wir meine Vela-ID in den versteckten Kasten unter dem Schild eingetippt hatten. Medina zickte rum, als sie hinten sitzen musste, aber war ganz gut ruhig zu stellen indem ich mich neben sie setzte. Arvid nahm vorne neben dem Fahrer Platz. Für uns leicht Betrunkene war es ein riesen Spaß das Licht hinten immer wieder an und aus zu schalten, was den Fahrer aber Wahnsinnig machte. Ich denke er war ganz froh, als wir beim Ferienhaus ausstiegen und ihm das Geld zusteckten.
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