Kapitel dreiunddreißig

Langsam neigten sich die Ferien nun dem Ende zu und Lucas und ich packten unsere Koffer. Nele und Arvid waren in den letzten Tagen wirklich neue Freunde für mich geworden und ich und Lucas waren sogar noch mit ihnen im Kino und im Schwimmbad.
Das waren schöne Ausflüge gewesen und mit Arvid verstand ich mich in der ganzen Zeit am besten. Er hatte die gleichen Interessen wie ich und war einfach ein ganz spannender Mensch. Er hatte schon so viel erlebt, war in sehr vielen Ländern und schon 23! Seit der Silvesternacht, die ich in seinem Bett verbracht hatte bestand irgendwie eine Verbindung zwischen uns. Wir hatten nicht gekuschelt oder uns geküsst sondern einfach nur geredet. Ich hatte ihm von meinen seltsamen Beziehungen zu Lucas und Marcus erzählt und warum ich im Wohnzimmer zusammengebrochen war. Ich konnte  Lucas Beziehung zu mir in diesem Moment nicht mehr als Freundschaft einordnen. Das zu ordnen war einfach zu viel für meinen Kopf gewesen. Arvid konnte mir durch das einfache Zuhören mehr helfen als meine restlichen Freunde mit ihren Ratschlägen. Ich war dann neben ihm auf dem Kopfkissen eingeschlafen und er hatte eng an die Wand gedrückt neben mir geschlafen, nachdem er mir das Versprechen geben musste nicht weg zu gehen.
Beim Kofferpacken fiel mir auch auf, dass ich so viele neue Sachen geshoppt hatte als ich mit Nele noch im Einkaufszentrum war.

Ich stopfte alles gerade wie wild in meine viel zu kleine Reisetasche als Arvid plötzlich im Türrahmen lehnte und mich schief angrinste. „Wann kann ich dich denn wieder sehen?“
„Hm wenn du magst kannst du mich im Internat besuchen. Dann unternehmen wir was mit Lucas“, antwortete ich und war etwas nervös. Arvid sah einfach so attraktiv aus wie er so vor mir im Türrahmen lehnte und ich wusste in dem Moment gar nicht wo mir der Kopf stand.
„Gerne Medina. Ich wollte dir nur noch sagen, dass die letzten Tage wirklich schön waren“, meinte er selbstbewusst und kam näher zu meinem Koffer geschlendert. Er hatte einen lässigen Gang, der aber nicht unmotiviert oder faul wirkte. Einfach entspannt und ja, etwas cool.
Ich stotterte nervös: „Vielleicht sehen wir uns ja…dann bald wieder.“ Gott so nervös war ich ja schon lange nicht mehr bei einem Mann gewesen.
-„Ich hoffe es. Ah ich hab noch was von dir im Bett gefunden Medina.“
Er kramte in seiner Hosentasche. Sie war dunkelblau und er hatte sie mit einem weißen Shirt kombiniert, darauf stand ich ja sowieso bei Männern.
-„Was denn?“
„Warte kurz…ah ja genau das“, er grinste breit und reichte mir meine Goldkette, die anscheinend am Silvesterabend in seinem Bett liegen gelassen habe.
„Danke Arvid. Ich habe sie schon vermisst“, lachte ich und Strich dabei meine Haare nach vorne, „Kannst du sie mir hinten zu machen?“
Vorsichtig legte er mir die Kette um den Hals und ich spürte seine warmen Finger in meinem Nacken. Ich hielt nervös die Luft an und wartete angespannt bis er fertig war. Langsam drehte ich mich um und mein Gesicht war gefährlich nahe vor seinem, er lächelte und ich konnte sehen wie seine dunklen Augen mich langsam musterten. Er hatte kleine Sommersprossen, die im ganzen Gesicht verteilt waren und sein Haut war von der Sonne  leicht verbrannt. Er strahlte in seiner Gesamtheit eine starke Anziehung für mich aus und ein gewisses Selbstbewusstsein. Arvid hatte eine komplett andere Art sich zu präsentieren als Lucas.
Mein Herz schlug schneller und ich war kurz davor mit meiner Hand sein Gesicht zu berühren, da drehte er sich abrupt weg und wich einen Schritt zurück.
„Danke“, presste ich heraus und ich musste erst einmal tief Luft holen. In meinem Kopf drehte sich alles und ich konnte nicht begreifen, was gerade passiert war. Es hatte so eine Energie in diesem Moment existiert. So eine Spannung hatte ich noch nie erlebt, dabei war es doch nur so ein kurzer Moment gewesen. Arvid stand mit gesenkten Blick vor mir und kratze sich nervös am Hinterkopf.
„Ähm also dann Medina sehen wir uns in deinem Internat wieder?“, stotterte er und umarmte mich etwas ungelenk.
-„Ja genau. Also tschüss und bis dann.“

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