Kapitel fünfundreißig
„Hallo Medina“, begrüßte Marcus mich und wollte mich in den Arm nehmen, doch ich schob ihn weg.
„Spinnst du“, zischte ich, „Ich hab das Bild gesehen, Eva hat es mir geschickt und du tust so als wäre nichts passiert.“
„Komm das war doch nur so eine kleine Knutscherei und ich und Marlene waren beide total voll“, seufzte er und ich schlug seine Hand noch einmal weg, die auf den Weg zu meiner Hüfte war.
„AHA MARLENE WARS! WEIL SIE FETTERE BRÜSTE HAT ODER!!!“
„Jetzt Medina mach doch nicht so einen Aufstand! Ich finde kleinere auch schön.“
„MACH NICHT SO EINEN AUFSTAND, DU BIST JA LUSTIG!!! DU BIST ECHT EIN ARSCH!!!“, kreischte ich und ich versuchte die Tränen zurückzuhalten.
„Können wir das nicht in Ruhe besprechen?“ Er versuchte mich zu beruhigen und fasste mich an den Schultern.
„Nein du hast mich so verletzt.“ Ich schniefte und rieb mir über die Nase.
-„Aber ich liebe dich Medina, du warst meine erste Freundin und es ist so schön, dass du wieder zurück gekommen bist.“
„Ich denke, dass ist das Problem Marcus. Ich bin wieder in dein Leben gekommen, dabei hattest du hier jetzt neue Freunde, einen neuen Charakter. Früher war ich für dich das schönste Mädchen auf der Welt. Hast dich für mich entschieden, um mich bei Lucas gekämpft. Jetzt findest du auch andere Frauen schön, das ist auch okay. Du trinkst jetzt auch Alkohol, diese ganze Phase der Pubertät, habe ich bei dir nicht miterlebt. Früher war ich die Person die sich ausgetobt hat. Ich habe Drogen genommen, geraucht, getrunken und jetzt trinke ich nichts mehr aber du schon“, sagte ich endlich die Wahrheit und strich ihm traurig über die Wange. Ich liebte ihn auch aber ich wusste, ich muss ihn gehen lassen.
„Aber du bist immer noch die Medina, der ich nach gelaufen bin und an deren Fenster ich gestanden habe um ihr einen Brief zu bringen. Die Medina mit der ich eine Wasserschlacht im Gang gemacht habe. Die Medina die mich immer zum lachen bringt. Was soll ich ohne dich machen, du bist es doch noch…“, Marcus schluckte und ich sah, wie ihm die Tränen runter liefen. Ich hatte ihn noch nie weinen gesehen.
„Ich bin nicht mehr so wie vor zwei Jahren Marcus. Ich bin jetzt fast 19 und habe ganz andere Interessen. Du bist auch anders als mit 16 und hast neue Erfahrungen gesammelt. Ich glaube wir hängen noch an der Vergangenheit. An unserem ersten Mal, an das verrückte Versteckspiel. Weißt du noch damals im alten Turm?“ Wir lachten beide traurig und ich spürte, dass dieser Abschluss gut tat.
„Ja das war schön, wir waren noch so jung und ich war jedes Mal so aufgeregt, wenn wir uns küssten. Wir waren schon ein gutes Team.“ Lange schauten wir uns an und ich strich ihm das letzte Mal durch die Haare.
„Ich werde es vermissen aber wir bleiben ja befreundet, sind in einer Clique“, schluchzte ich und presste meine Stirn an seine.
„Natürlich“, meinte er und machte sich vorsichtig los, „Tschüss Medina.“
„Tschüss Marcus.“
Ich blickte ihm nach wie er zum Bus trottete. Die Hände waren in seinen Taschen vergraben und ab und zu wischte er über seine Augen. Als er weg war konnte ich meine Tränen zurück halten und folgte ihm auf einigem Abstand.
Am Platz schaffte ich es aber nicht mehr und die Tränen rannen wie bei einem Wasserfall. Ich hatte wirklich so richtig mit Marcus Schluss gemacht. Mit dem bis jetzt vertrautesten Menschen.
„Medina was ist denn?“, fragte Eva und wischte eine Träne von meiner Wange.
„Ich hab mit Marcus Schluss gemacht, wir haben beide lange geredet und es geht einfach nicht“, schluchzte ich und verbarg mein Gesicht an ihrer Schulter.
Lucas und Nick kamen auch rüber und bald war ich unter einem Knoten aus Armen verborgen und immer wieder hörte ich: „Das wird schon wieder“ und „Er hatte dich gar nicht verdient“ und das Beste war ja: „Du findest bald einen Ersatz“.
Ich hörte bald auf zu weinen, doch innerlich blieb ein riesen Loch. Es war hart seine erste Liebe zu verlieren. Wir hatten so viel zusammen durch gemacht, so viel erlebt. Jetzt damit abzuschließen war schwierig.
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