Kapitel einundreißig
“Medina willst du mit mir tanzen?” Wir waren nun schon am Ende des Abends angekommen und hatten uns ins gemütliche Wohnzimmer zurückgezogen. Medina nahm meine Aufforderung mit einem schiefen Lächeln an und wir drehten uns zu ruhiger Walzermusik im Kreis. Der Alkohol zeigte bei mir noch leichte Wirkung und die Lichter vom Christbaum leuchteten für mich viel wärmer und heller als sonst.
Arvid hatte spontan noch Nele eingeladen und tanzte nun eng umschlungen mit ihr in einer anderen Ecke vom Raum, doch plötzlich waren sie verschwunden und ich hatte so eine Vorahnung. Nele hatte schon immer eine Schwäche für meinen jüngeren Bruder gehabt und teilweise schon bedauert, dass er nicht ihr Auserwählter war. Naja wenigstens konnten sie so Spaß miteinander haben, was sie auch bei fast jeder Feier hatten.
Männer waren in der Daya-Gemeinschaft, nachdem sie ungefähr 17 waren, ein gefragtes Spielzeug. Kaum ein Mann der in der Gemeinschaft geboren wurde, war auch ein Auserwählter und um die Verführungskünste der Dayas zu üben, waren sie ein geigneter Partner. Viele Dayas hatten ihren Favoriten, so wie Nele Arvid hatte und meist war die sexuelle Anziehung auf beiden Seiten gegeben. Arivd hatte bei Nele sicher nichts dagegen.
Medina rutschte nun auch immer näher an mich heran und legte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Können wir nicht auch nach oben gehen?“, flüsterte sie und ihre Lippen waren ganz nahe an meinen.
„Hm was meinst du?“, fragte ich nach, doch sie grinste nur breit und griff nach meiner Hand.
„Nein Medina, das geht nicht! Du bist mit meinem besten Freund zusammen, ich tue ihm das nicht an!“ Ich schob sie sogar ein Stück von mir weg und sie schob schmollende ihre Unterlippe nach vorne.
„Nur ein Kuss, biiiitte. Ich will wissen ob du echt so toll küsst wie Eva es geschrieben hat. Du küsst jeden außer mich, dabei hast du mich doch am liebsten“, bettelte sie und schlang ihre Arme um meinen Hals. Sie machte es mir wirklich schwer gegen den Drang, die Verbindung einzugehen, anzukommen.
Ich drehte meinen Kopf, sodass er auf ihrer schmalen Schulter lag und meine Arme lagen hinten auf ihrem unteren Rücken, fast bei ihrem hübschen Po.
„Medina, so einfach ist das bei uns leider nicht, aber ich verspreche du bekommst bald von mir den schönsten Kuss der Welt“, flüsterte ich, während wir uns wieder langsam zur Musik wiegten.
Ich blickte entspannt auf die große Uhr an der Wand und sah, dass es schon 5 Minuten vor 12 Uhr war. Bald war noch größere Kussgefahr und eigentlich hatte mir Arvid versprochen bis dahin wieder unten zu sein.
Medina war einfach nicht aufzuhalten, jetzt streichelte sie sanft und liebevoll meinen Rücken, was mich ganz durcheinander brachte. Ihre andere Hand wanderte zu meinen Haaren. Ein Spiel begann: Ich wich immer weiter zurück, worauf sie immer näher an mich rückte. Ich schob sie von mir weg und sie grinste. „Ach komm schon, sag nicht du willst es nicht auch?“
Ich wollte es ja, wirklich aus tiefsten Herzen, doch ich konnte es jetzt einfach noch nicht. Ich wollte frei sein, auch wenn mein natürlicher Trieb was anderes sagte. Der wollte natürlich sofort die Verbindung, damit gleich alles vom Tisch war. Aber das passte nicht zu meiner Persönlichkeit und der Art von Beziehung, die ich mit Medina führen wollte.
Scheiße, ich war so in Gedanken gewesen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass ich in die Ecke gedrängt wurde. Ich war mit dem Rücken gegen die Wand gepresst und Medina drückte meine Unterarme so fest sie konnte gegen die Wand. Ihre Hüften drückte in eine unangenehme Gegend und ich wollte einerseits sofort weg und andererseits dachte ich mir: „Yes, geil ich stehe hier mit dem hübschesten Mädchen!“
Sie rückte immer näher, näher, unsere Lippen berührten sich fast…BUM! Die Türe neben meinem Kopf wurde mit einem lauten Schlag aufgerissen und Arvid riss Medina von mir weg.
Medina schrie wie am Spieß und saß weinend auf dem Boden, während sich bei mir alles drehte.
Ich konnte einfach nicht reagieren und mein ganzer Körper bebte, wahrscheinlich weil er so plötzlich von Verbindung zu Normalität wechseln musste.
„Medina es ist alles gut“, flüsterte mein Bruder immer wieder und strich ihr durch die Haare. „Ich wollte ihn doch nur zu Sylvester küssen. Das ist doch was normales“, stotterte sie, „Du hast mit Nele sogar andere Sachen gemacht.“
„Aber du bist vergeben. Das ist falsch wenn du in einer Beziehung bist und jemand anderes küssen willst Medina. Lucas weiß das und wollte dich davon abbringen, genauso wie ich. Jetzt komm ich bringe dich ins Bett.“ Er gab ihr eine plausible Erklärung.
„Okay gut, ich komme mit. Tut mir leid Lucas.“ Ich nickte ihr müde zu und wartete bis die beiden das Zimmer verlassen hatten, dann stand ich müde auf und schlurfte vorsichtig zur Couch, wo ich mich hinlegte.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen